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Feb 04 2011
Am nächsten Tag sind wir nach einem späten Frühstück vom privaten Campingplatz in Portobello weiter zum sogenannten “Albatross Point”, dem äußersten Ende der Halbinsel vor Dunedin, gefahren, um dort Albatrosse zu sehen. Weil es sehr stürmisch zuging, haben wir uns zuerst das Besucherzentrum dort oben angesehen. In froher Erwartung dann auf die größten Vögel der Erde zu treffen, sind wir an die Steilküste gelaufen. Außer spektakulären Wellen, die gegen die senkrecht abfallende Küste klatschen, waren da nur Tölpel, die in den Felsspalten und auf den Vorsprüngen nisteten, zu sehen. Deswegen sind wir nach kurzer Zeit wieder ins Auto gestiegen und haben uns auf den Weg nach Downtown Dunedin gemacht.
Nach erfolgreichem Einparken in einem der engsten (Bezahl-)parkplätze, die wir finden konnten bzw. der einzige, der noch frei war, haben wir zu Fuß die Stadt erkundet. Ein Besuch bei Schokoladen-Cadbury (ohne Führung) durfte da natürlich nicht fehlen. Vor Dunedins Bahnhof entdeckten wir essbar-aussehende Pflanzen. Ein Einheimischer bemerkte unsere Unsicherheit bzw. unser Erstaunen vor dem Kräuterbeet und klärte uns auf, dass die Blätter wirklich essbar seien und wir doch probieren sollten. Dann hat jeder eines der süß-schmeckenden Blätter verspeist
. Allzu lange wollten wir uns jedoch nicht in der Stadt aufhalten, denn unser Tagesziel – die Moeraki Boulders – hätten wir schon ganz gerne noch bei Tageslicht gesehen. Bevor wir Dunedin hinter uns ließen, haben wir noch an einem großen Supermarkt gehalten und uns mit Lebensmitteln für die letzten Etappen eingedeckt.
Es war schon später Nachmittag als wir die gut 80km nordwärts antraten. Die Moeraki Boulders erreichten wir bei Sonnenuntergang. Den Strand hatten wir demnach (fast) für uns ganz alleine. Leider war die Ebbe schon eine Weile her, so dass das Wasser schon ein paar der Boulders umgab. Trotzdem konnten wir noch einige der größeren trockenen Fußes erreichen. Als wir zurück zum Auto gegangen sind, war es schon stockdunkel und die Lichter von Moeraki funkelten über das Meer zum Strand herüber.
Die letzten 20km zum DOC-Campingplatz, den wir uns vorher ausgesucht hatten, wurden ziemlich abenteuerlich. Bis Herbert – so hieß das Dorf, in dem wir vom Highway 1 nach links in Richtung Glencoe Scenic Reserve (der Name es Campgrounds) abbiegen mussten – war alles noch ganz einfach zu finden. Doch dann ging unsere kleine Irrfahrt durch die Nacht los. Zuerst fuhren wir im Zickzack durch Herbert auf die Straße zu, die zum Campingplatz führte. Laut Beschreibung sollte es dann von dort aus mal nach links abzweigen aber die einzige Straße nach links führte unserer Meinung nach in ein Gehöft. So fuhren wir weiter und weiter und weiter geradeaus bergauf und bergab über Feldwege und begegneten einigen seltsamen Gestalten in Form von Gegenverkehr. Nach mehreren Kilometern durch die Nacht kam uns das alles sehr seltsam vor, sodass wir denselben Weg wieder zurückfuhren. An der besagten „Kreuzung“ nahmen wir dann wohl oder übel die Abzweigung Richtung Gehöft. Für uns von der Straße aus nicht einsehbar knickte diese aber dann kurz vor dem Gebäude nach links ab und führte nach einigen dunklen Windungen schließlich doch noch zu unserem Ziel. Der DOC-Campingplatz liegt sehr ruhig auf einer großen Lichtung – eigentlich. Denn die Wiese war eher ein Schlammloch aufgrund der beinahe abgeschlossenen Erneuerungsarbeiten an den sanitären Anlagen des Campgrounds. Mit viel Gas und Zuversicht ging’s mittenhindurch zum anderen Ende der Wiese an den Waldrand, wo wir eine gute Stelle für die Nacht fanden. Neben uns waren auch noch einige andere Camper vor Ort. Aufgrund der Größe der Wiese war rund um das Schlammloch genügend Platz für alle vorhanden. Zum Abendessen gab es leckere Burger mit viel gebratenem Speck (BACON!!!). Gut gesättigt ging’s nach einem schönen Sightseeing-Tag in den Van zum schlafen.
Hier geht es zu den Bildern.
Nov 06 2010
Am nächsten Morgen konnten wir nicht urlaubsmäßig lange schlafen, weil wir erstens nicht auf einem einsamen Campground, sondern im Garten des Hostels genächtigt hatten und diesen bis 10 Uhr räumen mussten und zweitens, weil wir den Beervan zum Wicked Depot bringen mussten, das um 09.00 Uhr seine Pforten öffnete.
Draußen erwartete uns aber dann eine böse Überraschung. Aus dem Reifen war beinahe die gesamte Luft heraus und es hatte ziemlich angefroren über Nacht. Der Garten und die Fensterscheiben des Vans waren rundherum mit weißem Reif und Eis überzogen. Zum Glück mussten wir aber an diesem Morgen nicht draußen frühstücken, sondern konnten in der warmen Küche des Hostels essen. Im Bad gab es auch warmes Wasser zum Zähneputzen und Duschen(!). Über Nacht habe ich an der Rezeption noch meine Kamera samt Ladegerät und Adapter abgegeben, um endlich wieder Bilder machen zu können. Die waren ja – wie man sicherlich gemerkt hat – auf den letzten beiden Etappen eher rar geworden.
Nachdem das Auto rundherum vom Eis befreit war, haben wir das Hostel pünktlich verlassen. Die Fahrt zur bereits bekannten Shell-Tankstelle stand uns aber noch bevor. Mit einem komplett platten Hinterreifen auf gefrorener Hauptstraße, auf der die Urlauber in Autos und Bussen so schnell wie möglich zu den Skigebieten wollten, hielten wir halb auf dem abgegrenzten Streifen für Fahrradfahrer, halb auf der Straße den kompletten Verkehr auf. Schneller als 30 habe ich mich nicht getraut zu fahren. Wenn ich mir es aber so überlege, waren wir sicherlich noch langsamer als das. Dadurch kam uns der Weg zur Tankstelle unglaublich lange vor. Wir – und auch die genervten Autofahrer hinter uns – waren sichtlich erleichtert, als sie hinter der nächsten Ecke auftauchte. Dort haben wir den Reifen bis zum Anschlag vollgepumpt und sind die letzten paar hundert Meter zum Depot gefahren, das ganz unscheinbar auf einem Campingplatz liegt. Zum Glück hatte es geöffnet. Dass wir wirklich Glück hatten, sagte uns die Frau hinter dem Tresen dann, weil sie eigentlich krank sei und gar nicht zur Arbeit kommen wollte. Dann hätten wir mit dem Plattfuß und abgelaufenem WOF aber ziemlich blöd ausgesehen.
Wie am Vortag mit der Dame von Wicked aus Auckland besprochen, haben wir dort noch einmal angerufen. Sie hatten dann versprochen, das Büro in Queenstown zu informieren. Wir waren aber nicht die einzigen Kunden und mussten deshalb ein bisschen warten. Wir haben der guten Frau dann unser Anliegen geschildert und gefragt, ob ein anderer Van da wäre, den wir gegen die Bierkutsche tauschen könnten. Zu unserer großen Erleichterung bejahte sie. In der Zwischenzeit ist dann auch die Nachricht aus Auckland angekommen, dass das alles „von oben“ genehmigt sei. Wir mussten dann ein Formular ausfüllen und als wir Christchurch als Rückgabestelle angaben, sagte sie uns, dass das schwierig werden könnte, weil das Depot dort letzte Nacht abgebrannt ist! What?!? Seriously?? Und nur deswegen hätte sie heute trotz Krankheit arbeiten gehen müssen… Na super, dachten wir uns – wo sollen wir dann bitte das Auto abgeben? Aber weil zwischen dem Ende unserer Südinseltour noch ein paar Tage waren, dachten wir uns, dass bis dahin sicherlich ein Ersatzdepot gefunden wird. Wie wir schon bei unserer Abfahrt in Chch erfahren haben, werden Wicked-Vans generell mit beinahe leerem Tank zurückgegeben. Ob die das wohl in weiser Voraussicht so geregelt haben, dass möglichst wenig Hochentzündliches in der Halle steht? Blöderweise hatten wir erst in Wanaka vollgetankt, sodass der Tank noch dreiviertel voll war. Mit der leicht überforderten aber sehr bemühten jungen Dame hinter dem Tresen haben wir dann ausgehandelt, dass uns der Wert der Tankfüllung gutgeschrieben wird. Auch war der neue Van kein Allradfahrzeug, sodass wir auch noch die Differenz zum zur höheren Miete bekommen haben. Theoretisch jedenfalls, denn das alles war handschriftlich auf dem Vertrag vermerkt. Ob wir es schlussendlich bekommen haben, weiß ich leider nicht. Den platten Reifen haben wir dann auch noch, wenn auch in leicht abgewandelter Form (wir haben festgestellt, dass er etwas Luft verliert…), angemerkt. Das war aber gar kein Problem.
Die Frau führte uns dann zu unserem neuen Vehikel. Sie erklärte, dass es aber zurzeit ihr Auto sei und räumte ihr Sachen aus dem Auto heraus. Dass sie später kein Auto bzw. eins mit nur drei straßentauglichen Rädern ohne WOF hatte, tat uns dann schon etwas leid. Aber eine andere Lösung gab es nicht und der Kunde ist ja bekanntlich König! Wir haben dann unsere Sachen bei wieder einmal strahlend blauem Himmel und Sonnenschein vom einen in den anderen Van verladen und praktische und eher unpraktische „Einrichtungsgegenstände“ getauscht 
Als wir zur Abfahrt bereit waren, habe wir uns noch verabschiedet und uns für die nette Hilfe bedankt. Unser neues Gefährt mit dem Namen „CREATURE OF URANUS“ (Ich muss zugeben, dass ich auch eine Weile gebraucht habe, bis ich den Witz verstanden habe – Danke für die Hilfe, Mik
) haben wir dann auch gleich noch aufgetankt, weil wir nicht wussten, wie weit die nächste Tankstelle entfernt war.
Von Queenstown aus gibt es prinzipiell zwei Routen, um nach Dunedin zu fahren. Keine der beiden führt „direkt“ dorthin. Die eine macht einen großen Bogen nach Norden, die andere einen nach Süden; in Dunedin treffen sich dann beide wieder. Wir haben uns für die Nordroute entschieden. Von Queenstown sind wir zuerst nach Cromwell und vor dort aus nach Alexandra gefahren. Anstatt weiter auf dem SH8, der nach Süden führt, zu bleiben sind wir links auf den SH85 nach Palmerston abgebogen. Diese gut 170 km lange Strecke führt durch mehrere kleinere Ortschaften, die auf einer weiten Ebene liegen. Zu Beginn waren wir noch in dicken Nebel gehüllt und die Wiesen, Felder und Bäume waren mit Raureif überzogen. Als wir dann aber eine gewisse Höhe erreicht hatten, brach die Sonne durch den Nebel und gab den Blick auf schneebedeckte Bergketten um uns herum frei.
Nach gut zweistündiger Fahrt über die Ebene von Otago erreichten wir Palmerston. Von dort aus ging es dann nach Süden in Richtung Dunedin.
Dunedin liegt sowohl direkt am Meer als auch am Ende eines Inlets, das durch die Dunedin Peninsula vom Meer abgetrennt ist. Von Palmerston nach Dunedin kommend, bekommt men einen sehr schönen Blick auf die gesamte Stadt, weil man vom höher gelegenen Stadtrand bis hinunter zum Wasser fährt. Dunedin ist zwar viel kleiner und wie viele Hügel die Stadt hat, weiß ich auch nicht, aber mich hat die Lage ein bisschen an Rom erinnert 
Weil es In Otago in der Nähe der größeren Orte keine DOC-Campingplätze gibt, haben wir uns schon im Voraus einen geeigneten privaten Campingplatz in Dunedin gesucht. Dieser Campingplatz liegt in der Ortschaft Portobello an der nördlichen Seite der Dunedin Peninsula, die zum Inlet gerichtet ist. Die Straße dorthin führt direkt an der Wasserlinie entlang und die Kurven sind meist nur sehr schwer oder überhaupt nicht einsehbar. Wir sind also sehr vorsichtig und langsam unserem Tagesziel entgegengeschlichen. Unterwegs haben wir ein Schild erspäht, das die Richtung zu einer interessanten Sehenswürdigkeit wies, dem Larnach Castle. Es war schon früher Abend und wir haben uns gedacht, dass man von dort oben sicherlich eine tolle Aussicht auf Dunedin und das Umland hat. Also haben wir (bzw. Mik, weil sie gefahren ist) den untermotorisierten Toyota Estima mit Wicked-Camperausstattung die enge und steile Straße zum Schloss hinaufgescheucht. Oben angekommen waren es nur noch ein paar hundert Meter bis zum Schlosstor. Als wir aber davor standen ist uns fast die Spucke weggeblieben. Vor dem Eingang stand ein riesiges Schild, das Auskunft über die Eintrittspreise gab. Hinter dem Tor war ein besetztes Kassenhäuschen mit Schranke. Für einen Erwachsenen hat der normale Eintritt (ohne Snack/Dinner/…) NZD 25 gekostet. Weil es nur noch eine halbe Stunde (oder so ähnlich) geöffnet und uns das definitiv zu teuer war, haben wir wieder umgedreht. Bevor wir aber wieder nach unten auf die Uferstraße gefahren sind, haben wir noch einen kurzen Halt gemacht, um Dunedin im Abendrot zu fotografieren.
Von unten war es dann nur noch ein kurzes Stück bis nach Portobello. Den Campingplatz haben wir auch auf Anhieb gefunden, was allerdings nicht schwer ist, wenn der gesamte Ort nur aus einer Handvoll Straßen besteht und an der Hauptstraße ein großes Schild angebracht ist
Die Betreiber des Campingplatzes waren sehr freundlich und wir konnten uns einen Platz aussuchen. Neben uns waren auch noch ein paar andere Campervans da. Wir haben dann in der Campingplatzküche Abendessen gekocht. Danach gab’s noch den allabendlichen Tee, mit dem wir uns im Van zur Nacht verkrochen haben.
Hier geht es zu den Bildern dieser Etappe.
Okt 25 2010
Der nächste Morgen war ziemlich kühl. Eigentlich kein Wunder, weil wir mitten im Winter in den Bergen genächtigt habe. Aber wenn man bedenkt, dass eine Autostunde von hier in Richtung Westen alles grünt und sprießt, kann man das schon leicht mal vergessen.
Mik hat das Schlimmste überstanden und es ging ihr schon wieder viel besser, als am Tag zuvor. Um sie aber noch zu schonen, habe ich für die Fahrt nach Queenstown das Steuer übernommen.
Nachdem wir Haast Pass auf dem Weg nach Wanaka verlassen haben, bot sich uns ein grandioser Blick auf Lake Wanaka. Der See ist der viertgrößte Binnensee Neuseelands und der drittgrößte auf der Südinsel. Er erstreckt sich auf einer Gesamtlänge von 42 Kilometern von Norden nach Süden und der Highway 6 verläuft am östlichen Ufer entlang. An der tiefsten Stelle ist der See über 300 Meter tief. Auf fast 400 Meter Tiefe bringt es der etwas weiter östlich gelegene Lake Hawea, dem der Highway den restlichen Weg bis nach Wanaka folgt. Beide Seen sind nur durch einen schmalen Landstreifen voneinander getrennt. Lake Hawea ist nicht weniger beeindruckend, aber leider zog etwas Nebel und Wolken auf, sodass wir den Blick nicht allzu lange genießen konnten.
In Wanaka selbst haben wir einen kleinen Stadtbummel gemacht, um uns die Füße zu vertreten. Hier hatte der winterliche Betrieb in den umgebenden Skigebieten schon voll begonnen. Wie in einer anderen Welt waren die Leute hier in dicke Winterjacken samt Schal und Mütze gehüllt. In der Stadt haben wir uns über die Straßenkonditionen nach Queenstown erkundigt und erfahren, dass es am Morgen wohl mehrere Unfälle wegen Eisglätte gegeben hatte. Weil die Sonne aber sehr kräftig schien, haben wir uns nicht zu große Sorgen gemacht über Neuseelands höchste (befestigte) Passstraße nach Queenstown zu fahren.
Für alle, die jemals von Wanaka nach Queenstown fahren wollen und nicht mit einem LKW oder schweren Anhängergespann unterwegs sind, kann ich nur empfehlen über Cardrona und die Crown Range Road zu fahren. Von Schnee- oder Eisglätte war nichts mehr zu sehen. Stattdessen hatten wir Nebel und dachten schon nichts von der schönen Route sehen zu können. Aber plötzlich wie aus dem Nichts durchbrachen die Sonnenstrahlen die Dunstschicht und Sonnenschein mit strahlend blauem Himmel gab den Blick auf die umliegenden verschneiten Berge frei.
Auf der Passhöhe der Crown Range auf 1.076m hatten wir einen wunderbaren und weitreichenden Panoramablick bis nach Queenstown und den Lake Wakatipu. Den Beervan mussten wir gleich mehrmals an Haltebuchten abstellen, um die schöne Szenerie genießen zu können.
Mein Campground-Verzeichnis, das ich mir vor dem Trip mit Hilfe der DOC-Website angelegt habe, endete mit einem Platz am Ufer des Lake Wanaka. Während meiner Recherche bin ich aber auf Hinweise gestoßen, dass es in manchen Hostels möglich ist, einen verminderten Übernachtungspreis zu zahlen, im Campervan auf der Straße zu nächtigen und trotzdem alle Einrichtungen des Hostels mit nutzen zu können. In Queenstown angekommen, haben wir uns zuerst nach einem Hostel umgesehen, das noch zwei Betten für eine Nacht frei hatte. In Queenstown, das als Sportmekka für jegliche Stufen von Anfänger bis crazy-extrem bekannt ist, hatte die Ski- und Snowboardsaison auch schon voll begonnen. Dementsprechend war in den beiden ersten Hostels, die wir angefahren haben, auch schon alles komplett belegt. Die Campervan-Option wollten die auch beide nicht machen. Als wir nach der zweiten Fragerunde zum Auto zurückkamen, bemerkte Mik, dass einer der Hinterreifen Luft verloren hatte. Es war aber noch genug drin, sodass wir entschieden haben zum letzten uns bekannten Hostel fahren und dort nach Betten bzw. einem Stellplatz zu fragen. Betten waren zwar keine mehr frei, aber hier haben wir ein Plätzchen für die Bierkutsche im Garten des Hostels bekommen. Wenn das nicht geklappt hätte, hätten wir wohl erst einmal ziemlich blöd ausgesehen. Die Leute dort waren aber sehr unkompliziert und freundlich und haben uns dann auch noch den Weg zur nächsten Tankstelle beschrieben. Bevor wir den Stellplatz in Anspruch genommen haben, sind wir noch zum Aufpumpen gefahren.
An einem der Tage zuvor, ist mir auch aufgefallen, dass der WOF (warranty of fitness; das neuseeländische Äquivalent zum deutschen TÜV) des Beervans am 7.7.2010 ausläuft. Als wir den Van in Chch abgeholt haben, haben die Herrschaften wohl nicht auf das Auslaufdatum geachtet. Zum Glück hat Wicked eine kostenlose Hotline, die wir an der Tankstelle zu Rate gezogen haben. Zuerst haben wir aber nach Lösungen für einen Reifenwechsel gefragt, weil in der Versicherung, die wir dazu abgeschlossen haben zwei Reifen abgedeckt waren. Leider waren aber nur die Reifen abgedeckt, nicht aber das Wechseln. Für NZD 50 hätten sie uns einen Mechaniker geschickt, der das für uns übernommen hätte. Das haben wir nicht gemacht. Stattdessen haben wir den Plattfuß bis zum Gehtnichtmehr aufgepumpt und haben die Hotline noch einmal wegen dem WOF angerufen. Die Wicked-Filiale in Queenstown hatte schon geschlossen, aber am nächsten Tag ab 09.00 Uhr sollte sie wieder geöffnet sein. Mit einem mulmigen Gefühl sind wir von der Tankstelle wieder zum Hostel gefahren und haben unseren Park- und Übernachtungsplatz bezogen.
Dick eingepackt sind wir am Nachmittag ins Stadtzentrum gelaufen. An der Uferpromenade des Lake Wakatipu gibt es das Café „Patagonia“, das eigene gleichnamige Schokolade und Pralinen herstellt. Dort haben wir uns „die beste heiße Schokolade“ genehmigt und sind am Seeufer durch einen Park spaziert. Zum Abendessen haben wir uns auf den Weg zu „Fergburger“ gemacht. Wegen enormen Ansturms mussten wir zwar ziemlich lange auf unsere Burger warten, aber das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Die Burger sind richtig lecker und man wird auch von einem gut satt, weil sie üppig gefüllt und alles andere als klein sind
Gut gesättigt haben wir uns wieder auf den Rückweg zum Hostel und zum Van gemacht. Dick eingepackt, um den schon unter tags um den Gefrierpunkt liegenden Temperaturen auch nachts gewappnet zu sein, haben wir uns im Van das Nachtlager eingerichtet.
Auch von diesem Tag gibt es nicht allzu viele Bilder, dafür sind aber ein paar ganz schöne von der Crown Range dabei.
Okt 12 2010
Am nächsten Morgen wurden wir mit strahlendem Sonnenschein und tiefblauem Himmel empfangen. Direkt vom Camping-Parkplatz an Gillespies Beach hatte man freien Blick auf die verschneiten und vergletscherten Southern Alps. Die morgendlichen Temperaturen am Strand waren aber alles andere als winterlich. Nach dem Frühstück haben wir die Sonne genutzt und den Van ordentlich durchgelüftet und gesäubert. Alles, was der Trockner in Hokitika nicht ganz trocken bekommen hat, wurde an allen nur erdenklichen Stellen im und um den Van aufgehängt und von der warmen Meeresbriese getrocknet. Wozu so ein Schiebedach alles gut sein kann
Bevor wir uns wieder auf die Weiterreise gemacht haben, sind wir noch ein Stück den Strand entlang gelaufen. Von dort aus hatte man einen noch grandioseren Blick auf die Berge. Dort konnte man sich wirklich vorstellen, dass es ohne Weiteres möglich ist vormittags Skizufahren und sich nachmittags am Strand zu sonnen – auch mitten im Winter.
Leider konnte nur ich diesen schönen Blick wirklich genießen, denn Mik ging es auf einmal nicht so gut. Nach einer Weile war es dann zwar wieder besser, aber dass das erst der Anfang allen Übels war, hatte keiner von uns gedacht.
Als wir wieder alles im Auto verstaut hatten, sind wir über die kurvige Straße zurück nach Fox Glacier auf die Hauptstraße gefahren. Vorher haben wir allerdings noch an Lake Matheson Halt gemacht. Dieser See ist für seine tollen Spiegelungen der dahinterliegenden Bergwelt regelrecht berühmt. Der Abstecher hat sich auf jeden Fall gelohnt, weil die Spiegelungen im Wasser wirklich toll aussahen. Außerdem konnten wir uns vor der langen Fahrt, die uns an diesem Tag bevorstand, noch ein wenig die Füße vertreten.
Weil Mik immer noch ein wenig schummrig war, habe ich für den restlichen Tag das Fahren übernommen. Das war auch gut so, weil dieser Abschnitt unserer Reise für sie (und für mich auch) derjenige geworden ist, an den wir uns am wenigsten gerne zurückerinnern möchten. Nach mehreren übelkeitsbedingten und sehr kurzfristigen Nothalten haben wir es bis kurz vor Haast geschafft. Kurz vor Sonnenuntergang haben wir noch einen kurzen Zwischenstopp am Haast River gemacht. Von dort aus ging es dann weiter in die Berge über den Haast Pass, der über die Southern Alps auf die andere Seite nach Wanaka führt. Ganz soweit sind wir aber nicht mehr gefahren. Um Miks Gesundheit zu schonen und um meine Wachsamkeit nicht zu überstrapazieren, haben wir eine gute Dreiviertelstunde nach Haast für die Nacht den Campground „Cameron Flat“ angesteuert. Das letzte Straßenstück hatte es – selbst für vollkommen gesunde Menschen – wirklich in sich. Die Straße wand sich in einer engen Kurve nach der anderen den Pass hinauf. Dazu kam noch, dass die Sonne bereits untergegangen war und wir schon gute 200km hinter uns hatten.
In Cameron Flat haben wir uns einen strategisch guten Parkplatz für die Nacht gesucht (möglichst weit weg von der Straße und möglichst nah an den sanitären Einrichtungen:) ) und haben uns dann zügig im Van verkrochen. Die abendlichen Temperaturen auf der Passhöhe waren schon deutlich winterlicher, als die morgendlichen am Strand. Klimatisch gesehen hat man an diesem Tag wieder einmal ganz genau gespürt, was Neuseeland unter anderem so vielfältig und einzigartig macht.
Durch das Panoramaschiebefenster, das am Morgen noch als Sockenaufhängevorrichtung gedient hat, konnten wir noch ein bisschen den Sternenhimmel sehen, bevor die hereinziehenden Wolken alles verdeckten und wir einschliefen.
Aufgrund der gesundheitsbedingten Fahraufteilung gibt es von dieser Etappe nicht ganz so viele Bilder. Hauptsache ist aber, dass wir mehr oder weniger gut und vor allem sicher am Tagesziel angekommen sind.
Sep 23 2010
Der nächste Morgen begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein. Vor dem Frühstück habe ich Mik bei ihrem Morgenlauf begleitet. Das gestaltete sich allerdings etwas schwierig, weil ich nur meine normalen Schuhe dabei hatte. Nach einer halben Stunde den See entlang war dann für mich Schluss. Während sie noch weitergelaufen ist, habe ich schon mal Wasser gekocht und Frühstück gemacht.
Gegen Mittag sind wir von Hans Bay aus zurück nach Hokitika gefahren, um einzukaufen und Wäsche zu waschen. Am Vortag sind wir leider fünf Minuten nach Ladenschluss in Hokitika eingetroffen, sodass wir kein Waschpulver mehr kaufen konnten. Das haben wir dann zuerst erledigt. Schräg gegenüber vom Supermarkt befindet sich der „Hokitika Laundromat“ – ein öffentlicher Waschsalon mit zwei großen Waschmaschinen und zwei Trocknern. Während der Wasch- und Trocknungszeit haben wir den Strand, der nur ein paar hundert Meter hinter dem Salon beginnt, erkundet. In der warmen Mittagssonne saßen wir am Strand und genossen in Richtung Meer blickend die Brandung und in Richtung Land schauend die schneebedeckten Gipfel der Southern Alps. Sogar Mt Cook konnte man von hier aus ganz klar erkennen. Nachdem die Wäsche gewaschen und einigermaßen getrocknet war, haben wir uns noch bei einem zweiten Frühstück in einem Café die Sonne ins Gesicht scheinen lassen.
Gegen 14.00 Uhr sind wir an der Westküste entlang weiter nach Süden gefahren. Vor uns bot sich unseren Augen ein grandioses Southern Alps-Panorama. Bei strahlend blauem Himmel ohne eine einzige Wolke, konnten wir Mt Cook, Mt Tasman und all die anderen gletscher- und schneebedeckten Gipfel bestaunen. Als nächsten Zwischenstopp hatten wir den Franz Josef Glacier eingeplant. Doch bis wir wirklich dort ankamen, mussten wir ganz schön zittern. Wir dachten nämlich, dass uns der Sprit – angesichts des Benzinpreises in Hokitika – mit Sicherheit noch für den Tag reichen würde. Die Tankanzeige war da aber anderer Meinung
Für die letzten Kilometer piepte und blinkte das Ding wie verrückt, sodass wir dachten, der Beer-Van bleibt jeden Moment stehen. Von dort an bewegten wir uns eher als rollendes Verkehrshindernis, als ein Verkehrsteilnehmer mit normaler Geschwindigkeit in Richtung Franz Josef. Die dortige Tankstelle erlöste uns vom Bangen und die Tankanzeige vom Piepsen und Blinken. Der dortige Spritpreis war allerdings für neuseeländische Verhältnisse jenseits von gut und böse: NZD 2,07 pro Liter Benzin! Normal sind ca. 1,75 Dollar. Viel wichtiger als das, war aber, dass wir es noch rechtzeitig bis dorthin geschafft haben.
Gegen fünf Uhr erreichten wir dann auch den Gletscher. Die Sonne senkte sich schon wieder langsam gen Horizont. Den Franz Josef Glacier kann man schon nach nur wenigen Gehminuten vom Parkplatz aus sehen und er scheint ziemlich nah zu sein. Doch der Schein trügt. Wenn wir nicht so zügig (vergleichbar mit dem Tempo zu den Welcome Flats) gegangen wären, hätten wir für den restlichen Tag nicht mehr genug Tageslicht übrig gehabt. So aber näherten wir uns im Eilschritt über die flache und steinige Endmoräne dem Ende der Gletscherzunge. Leider konnte man nicht bis ganz nach vorne gehen, weil die Kiwis alles großräumig abgesperrt und – wie sie es lieben – schön mit vielen bunten Schildern vor den Gefahren des Gletschers gewarnt haben.
Ab Franz Josef wand sich die Straße in engen Kurven durch den Regenwald der West Coast. Diesen Teil kannten wir bereits vom CUTC-Trip zu den Welcome Flats. Darum war es auch nicht ganz so schlimm, dass es immer dunkler wurde und wir von der Landschaft nicht mehr allzu viel sehen konnten.
Das heutige Tagesziel war der Campingplatz am Gillespies Beach. In der Wegbeschreibung des DOC stand explizit, dass die Straße dorthin wenn möglich mit einem Allradfahrzeug befahren werden soll, dass sie eng, teilweise steil und sehr kurvig ist und dass es keine Wendemöglichkeit gibt. Um dort hinzukommen, mussten wir in Fox Glacier rechts in Richtung Lake Matheson abbiegen. Den See wollte ich unbedingt auch noch sehen, aber dafür war es schon zu dunkel, sodass wir das auf den Rückweg am nächsten Tag verschoben haben. Bevor die Straße zum Gillespies Beach eng und steil wurde und im Wald verschwand, haben wir mehrmals für Fotostopps angehalten, weil die untergehende Abendsonne ein fantastisches Bild der Southern Alps lieferte. Sie schien vom Meer direkt auf die schnee- und gletscherbedeckten Berggipfel oberhalb von der Siedlung Fox Glacier und tauchte die gesamte Umgebung in ein wunderschönes Licht.
Die Straße war wirklich sehr kurvig und eng. 4×4-Antrieb wäre aber sicherlich nicht notwendig gewesen. Aber gut, dass die Kiwis in ihrem Schilderwahn ein riesiges Warnschild vor dem Wald aufgestellt haben, dass auch jeder abgeschreckt wird, diese Schotterstraße zu befahren. Die Straße zog sich über mehr als zehn Kilometer hin und wir fragten uns, wo sie eigentlich hinführt. Als sich der mittlerweile stockdunkle Wald lichtete, hörten wir schon das Meer rauschen und die Sonne hin gerade noch sichtbar am Horizont. Im letzten Licht des Tages haben wir uns auf dem Parkplatz einen Stellplatz für den Van gesucht (wir waren nicht die einzigen!). Zum Abendessen gab es noch die Reste vom Chili gegönnt und sind, nach einem kleinen Erkundungsgang am Strand, schlafen gegangen.
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