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Jun 28 2010
Jetzt ist es fast so weit, dass ich Chch Goodbye sagen muss. Zumindest stimmt das für die kommenden 13 Tage. Die verbringe ich nämlich auf den Motorways, Straßen und Gravel Roads der Südinsel. Leider steht der genaue Routenverlauf noch nicht ganz fest. Es ist aber sicher, dass wir zuerst nach Norden aufbrechen werden und mit ziemlicher Sicherheit ab Mittwoch (30.06.2010) den Abel Tasman Coastal Track von Süden nach Norden gehen werden. Das Wetter sieht zwar nicht so ganz rosig aus aber wir haben schon ganz andere Sachen gemacht – Tramper sind ja nicht aus Zucker
Danach geht’s über Westport, Greymouth und Hokitika weiter nach Süden bis nach Haast. Von dort aus müssen wir über den Haast Pass kommen und hoffen, dass er nicht gesperrt ist. Zur Sicherheit haben wir uns aber einen 4WD-Campervan inkl. Schneeketten geleistet. Es sollte also kein Problem darstellen über die Berge nach Wanaka und Queenstown zu kommen.
Von dort aus geht’s weiter nach Süden nach Invercargill (sprich: Invergiggl) und Bluff. Je nach zeitlichem und finanziellem Budget ist eventuell auch noch ein Besuch auf Steward Island drin
Weil es nicht mehr weiter südlich geht, fahren wir wieder nach Norden – nach Dunedin, um genau zu sein.
Mit einem Stopp bei den Moeraki Boulders und am Lake Ellesmere sollten wir dann spätestens am 09/10.07.2010 wieder in Chch sein.
Am 11.07.2010 um 15.55 Uhr (NZ-Zeit) geht dann mein Flug zurück nach Frankfurt (über Sydney, Bankok und Dubai).
Vielleicht kann ich ja von unterwegs Routenupdates nachreichen. Ansonsten gibt’s einen Monsterbericht am Ende des Trips
Jun 19 2010
Letzte Woche hatten wir eine Woche vorlesungsfrei. Diese Zeit nennt sich offiziell „study break“. Danach beginnen die zwei Prüfungswochen. Meine Final Exams sind erst in der zweiten Woche. Deshalb habe ich die Zeit für einen dreitägigen Tramping-Trip im Nelson Lakes National Park zusammen mit Nora und Mikaela (beide USA), die ich vom von TWALK und Mueller Hut-Trip her kenne, genutzt.
Wir haben uns einen Tag nach der Rückkehr von den Welcome Flats (also am 08.06.2010) ein Auto gemietet und sind gegen Mittag in Richtung Norden der Südinsel losgefahren. Mit Kaffee- und Scone-Stopp in Kaikoura ging es weiter nach Blenheim. Dort haben wir Lebensmittel für den Tramp eingekauft. Im Stockdunkeln sind wir dann gute 1,5 Stunden weiter nach St Arnaud gefahren, wo wir die Nacht in einem Hostel verbracht haben. Auf der Straße ist uns nur ein einziges Auto begegnet, das in falscher Richtung mit eingeschalteten Scheinwerfern am Straßenrand parkte. Wir kamen uns teilweise so vor wie im Vorspann eines Krimis.
In St Arnaud angekommen haben wir auf dem Parkplatz des Hostels nur noch ein weiteres Auto parken sehen. Das Haus selbst war dunkel. Der Krimi schien weiter zu gehen. Neben der Türe befand sich aber eine Gegensprechanlage mit Klingel, die man betätigen sollte, falls das Hostel verschlossen ist. Nach einer Weile meldete sich auch eine männliche Stimme und fragte uns, warum wir nicht angerufen haben, dass wir später kommen würden. Es war 20.00 Uhr. Wir gingen davon aus, dass mindestens bis dahin geöffnet war.
Nach weiteren fünf Minuten kam dann ein Mann barfuß (es schneite leicht – die spinnen, die Kiwis) um die Ecke und öffnete uns die Türe. Dann bemerkte er auch, dass wir zu dritt und damit einer mehr waren, als auf seiner Reservierungsliste. Das war aber nicht weiter schlimm, weil neben uns dreien nur noch ein britisches Pärchen im Hostel übernachtete. Nachdem wir bezahlt hatten, schickte er und ohne Schlüssel in Zimmer #3. Im Fünfbettzimmer haben wir dann zuerst unsere Rucksäcke umgepackt und das Essen für den Trip eingepackt. Danach sind wir hinunter in die Küche und haben gevespert. Ich habe meine noch von den Welcome Flats nassen Wanderschuhe zum Trocknen ans Feuer gestellt. Weil wir am nächsten Morgen möglichst früh loslaufen wollten, sind wir zügig schlafen gegangen.
Am nächsten Morgen gab‘s für mich zur Einstimmung das gewohnte Trampingfrühstück, weil ich beim Einkaufen diesen Morgen wohl vergessen hatte. Als ich meine Schuhe überprüfen wollte, waren die aber nicht mehr am gewohnten Platz, sondern in der kalten Küche. Na toll. Aber sie waren zumindest einigermaßen trocken. Mit gepackten Rucksäcken sind wir dann nach draußen und mussten das Auto freikratzen. Über Nacht hat es ziemlich angefroren und auf den Bergen rundherum gab es Neuschnee.
Das bestätigte uns auch der freundliche DoCler im DoC Centre von St Arnaud. Wir hatten den Anschein, als dass er etwas besorgt um uns gewesen war, weil er uns wohl eher als Gelegenheitstramper bzw. „Touristen“ mit Campervan sah. Dass wir schon einige NZ-Tramps auf dem Buckel hatten und mit Eispickel und Steigeisen ausgerüstet waren, konnte er natürlich nicht wissen
. Wir haben dann ein Tripformular ausgefüllt und den Abriss mit auf den Weg genommen. Den muss man nach der Rückkehr wieder im DoC Centre abgeben, damit sie Bescheid wissen, dass man wieder sicher zurückgekommen ist. Falls der Zettel nicht innerhalb eines Tages nach geplanter Rückkehr zurückgebracht wird und die DoCler keinen unter der angegebenen Nummer erreichen, wird Search&Rescue in das Gebiet geschickt. Für die Hüttenübernachtungen haben wir dann noch Hüttentickets gekauft.
Nach den Formalitäten sind wir dann mit „unserem“ weißen Nissan Sunny (nomen est omen) zum Wanderparkplatz (Mt Robert Carpark) am Beginn des Tracks gefahren. Unterwegs haben wir aber noch für einen kurzen Fotostopp am Ufer des Lake Rotoiti gehalten.
Gegen halb neun sind wir dann losgewandert. Für die kommenden drei Tage hatten wir die folgende Route geplant:
Tag 1: Mt Robert Carpark – Angelus Hut via Pinchgut Track & Robert Ridge
880m – 1788m – 1650m
ca. 5-6 Std.
Tag 2: Angelus Hut – Speargrass Hut via Mt Cedric (Cascade Track) & Sabine Hut
1650m – 1760m – 455m – 1060m
ca. 8 Std.
Tag 3: Speargrass Hut – Mt Robert Carpark
1060m – 880m
ca. 3 Std.

grün = 1. Tag, blau = 2. Tag, rot = 3. Tag
Ab der zweiten Hälfte von Tag 2 (von Sabine Hut an) und der komplette Tag 3 ist Teil einer großen Rundwanderung namens „Travers Sabine“. Dieser Track ist insgesamt 80km lang und hat Start und Ziel ebenfalls am Mt Robert Carpark. Für den gesamten Tramp sind gute 5 Tage angesetzt.
Weil wir aber erst von den Welcome Flats zurückgekommen sind und davon ziemlich geschlaucht waren (und eigentlich keine 5+ Tage mehr Zeit hatten), haben wir uns für eine kürzere Route entschieden.
Der erste Teil des ersten Tages führte uns bei strahlendem Sonnenschein den Pinchgut Track in Serpentinen hinauf zu Mt Robert (1421m). Unterwegs haben wir tolle Aussicht über den Lake Rotoiti und die grüne Landschaft bis zum Meer genießen können. Auf Höhe des Bushedge Shelter haben wir eine Bergziege entdeckt. Die war schneller oben als wir
. Kurz nach einer Hütte namens Relax Shelter kündigte uns die Beschilderung an, dass es bis zum Tagesziel „Angelus Hut“ noch 9km sind und wir dafür gute 4,5 Stunden benötigen sollten. Weil wir schon sehr früh gestartet sind, hatten wir alle Zeit der Welt und haben uns deshalb viel Zeit für den nächsten Abschnitt gelassen. Dieser führte uns die Robert Ridge entlang konstant aufwärts bis zum höchsten Punkt auf 1788m. Der Untergrund auf dem Grat war teilweise gefroren und schneebedeckt. Dazu hatten wir blauen Himmel ohne eine einzige Wolke und strahlenden Sonnenschein. Deshalb wurde dieser Teil eher zum Spaziergang mit vielen Fotostopps. Das war aber sehr angenehm, denn gerade nach dem „run“ zu den Welcome Flats tat die Ruhe sehr gut. Nach guten vier Stunden erreichten wir dann das Ende der Robert Ridge und vor uns tauchte Lake Angelus mit der Angelus Hut am Ufer auf. Obwohl das Ziel so nah erschien, dauerte es noch eine Weile bis wir vom Grat hinunter zum See abgestiegen sind. Das lag hauptsächlich daran, dass der Track auf diesem Teil verschneit und fast vollkommen vereist war.
Angelus Hut liegt malerisch in einer kleinen Senke direkt am Ufer vom Bergsee Lake Angelus. Die Hütte selbst wurde erst Ende April 2010 nach Neubau wiedereröffnet. Wir hatten – zusammen mit einem älteren Ehepaar aus Wellington, das wir auf der Robert Ridge überholt hatten – die Hütte mit insgesamt 26 bunks ganz für uns alleine. Auf der Terasse haben wir uns aber zuerst einmal ausgeruht und gesonnt. Leider ist die Sonne relativ schnell hinter den umliegenden Bergen verschwunden. Wir haben uns dann im kleineren von beiden bunk rooms ausgebreitet und ich habe mich am Feuermachen versucht. Nach einigen Versuchen hat das auch ganz gut geklappt. Leider hat es ziemlich lange gedauert, bis der doch sehr große Raum zumindest etwas aufgeheizt war. In der Zwischenzeit ist dann auch das Ehepaar angekommen. Weil sich bei uns der Hunger noch nicht so sehr angekündigt hatte, haben wir eine Partie Wizard begonnen. Nach Runde 14 haben wir uns dann aber doch für’s Abendessen entschieden und die bewährte Würstchenpfanne mit Gemüse und Soße gekocht. Nach dem Essen und Abspülen waren wir aber zu müde, um das Spiel fortzusetzen und haben es bis zum folgenden Abend pausiert.
Weil es in den bunk rooms doch beträchtlich kälter war, als im Hauptraum, in dem der Ofen stand, haben wir die Matratzen aus dem kleinen Raum vors Feuer gezogen, um dort zu schlafen. Nach dem Zähneputzen bin ich aber noch einmal raus, um die Sternenhimmel-Funktion meiner Kamera auszuprobieren. Der Sternenhimmel, den wir von der Hütte aus sehen konnten war einfach gigantisch. So etwas habe ich noch nie gesehen. Das Faszinierende daran war, dass man eine gewisse Tiefe ausmachen konnte: es sah so aus, als ob manche der Sterne näher und andere wiederum weiter entfernt waren. Mit einer Belichtungszeit von je einer Minute habe ich dann drei Bilder gemacht. Danach wurde es mir zu kalt
. Leider ist die Funktion nicht so der Brüller. Aber vor allem das erste Bild ist ziemlich erstaunlich, weil die Sterne darauf nicht etwas weiß sind, sondern in vielen Farben leuchten. Wegen der Kälte war die Wasserleitung vom Wassertank eingefroren, sodass wir entweder Seewasser nehmen oder Schnee schmelzen mussten, um an Wasser zu kommen. Während meiner Fotoaufnahmen habe ich unseren Kochtopf randvoll mit Schnee gefüllt, damit keiner morgens raus zum See muss. In der Nacht wurde es selbst in der Hütte saukalt, weil irgendwann auch das Feuer ausgegangen ist.
Am folgenden Morgen war es leider nicht mehr so sonnig, wie am Vortag. Zum Frühstück gab es – wie immer – Müsli mit warmer Milch und heiße Schokolade. Nach erneutem Rucksackpacken und dem Auskehren der Hütte haben wir uns dann gegen neun auf die Socken gemacht. Das Kiwi-Ehepaar hat uns angekündigt, dass sie schon mal anschüren würden und uns dann in der warmen Speargrass Hut erwarten. Sie hatten sich für die leichtere und wesentlich kürzere Variante für diesen Abschnitt entschieden. Am Ufer des Sees mussten wir noch unsere Wasserflaschen und Camelbaks auffüllen.
Auf den ersten 1,5km hatten wir echte Zweifel, ob wir uns für den zweiten Tagesabschnitt nicht zu viel vorgenommen hatten. Dieser Teil bestand nämlich aus einem recht steilen Anstieg bis auf knapp 1800 Meter. Dort oben war der Untergrund von einer dünnen Eisschicht überzogen und auf der Schnee war ziemlich hart gefroren. Dazu gab es nicht wirklich einen Pfad; vielmehr waren die orangenen Dreiecke nur richtungsweisend und man musste sich den Weg selbst durch und über Geröll bahnen. Nach kurzer Beratungspause und vor allem durch Mikaelas und meine Zuversicht Speargrass Hut noch bei Tageslicht zu erreichen haben wir unsere geplante Route aber fortgesetzt – und es nicht bereut.
Oben auf dem Grat blies uns der Wind für gute 15 Minuten voll von der Seite entgegen, sodass ein Fortkommen nicht ganz so einfach war. Danach beruhigte sich das Wetter allerdings und die Sonne brach durch die Wolkenfetzen. Bei diesen Licht- und Wetterverhältnissen ging es dann weiter abwärts in Richtung Mt Cedric (1532m). Nach einem Blick auf die Wanderkarte am Vorabend hatten wir festgestellt, dass viele der umliegenden Berge Frauenvornamen trugen. Daraufhin haben wir die Theorie aufgestellt, dass wohl Männer die Erstbesteiger gewesen sein mussten und den Berg je nach Schwierigkeit entweder nach ihnen wohlgesonnenen oder verhassten Frauen benannt haben mussten. Nach dieser Theorie ist Mt Cedric auf jeden Fall von einer Frau bestiegen worden, die einen Cedric abgrundtief gehasst haben muss! Der Abstieg zur Sabine Hut mehr als 1000 Meter tiefer war mit Sicherheit der anstrengendste und unangenehmste Teil der gesamten drei Tage. Ein Grund dafür war, dass man den Lake Rotoroa, an dem die Sabine Hut liegt, zwar immer näher kommen sah, aber nach jedem Hoffnungsschimmer sich immer der nächste steile Hang vor einem eröffnet hat, den es zu bewältigen gab. Wir haben den Höhenunterschied also mehr oder weniger (aus-)rutschend und schlitternd hinter uns gebracht. Das ging vor allem übelst auf die Knie
. Trotz der Strapazen haben wir es in 3,5 Stunden von der Angelus Hut zur Sabine Hut geschafft. Die Sabine Hut liegt direkt am Ufer des Lake Rotoroa (größter See im Nelson Lakes National Park) und ist mit 32 bunks die größte Hütte des Travers Sabine Tracks. Als wir dort ankamen, war sie jedoch leer. Laut dem Hüttenbuch waren die letzten Wanderer vor fünf Tagen anwesend. Das waren gute Nachrichten für uns. Da die Speargrass Hut nur 12 bunks hat, waren wir etwas um unsere Schlafplätze besorgt. Der Eintrag im hut book sagte jedoch aus, dass die letzten Tramper den Travers Sabine Track in Richtung Süden eingeschlagen haben. Damit war es fast zu 100% sicher, dass genügend Platz für uns in der nördlich gelegenen Speargrass Hut für die Nacht frei war. An der Hütte genehmigten wir uns eine lange Pause mit heißer Schokolade und Tee. Nach guten 40 Minuten sind wir dann aber weitergegangen. Auf dem nächsten gut fünf Stunden langen Teilstück mussten wir einen Höhenunterschied von 600 Metern auf einer Strecke von 9-10 Kilometern überwinden. Normalerweise ist das ja nichts besonderes; aber nach Mt „The Bitch“ Cedric war nichts mehr normal. Der komplette nächste Abschnitt führte uns durch Wald, sodass es immer dunkler erschien, als es tatsächlich war. Auf Wunsch der anderen habe ich unsere Gruppe auf dem Abschnitt angeführt und – wie ich später erfahren habe – ein wohl recht straffes Tempo vorgelegt. Aber ich hatte ja auch versprochen und zugesichert, dass wir die Hütte vor Einbruch der Dunkelheit erreichen werden. Nach dem ersten Anstieg waren wir alle ziemlich aus der Puste. Zum Glück war der weitere Weg weniger steil. Er wurde immer wieder von Bächen unterbrochen, von denen die beiden größten Brücken hatten. Nach der letzten Brücke führte der Weg für mehr als einen Kilometer durch ein Sumpfgebiet. Deshalb bestand der Track hier aus einem Holzsteg. Insgeheim hatten wir gehofft, dass dieser Holzsteg der „rote Teppich“ zur Speargrass Hut ist, weil das speargrass um uns herum immer häufiger anzutreffen war. Leider haben sich unsere Hoffnungen nicht ganz erfüllt. Die Speargrass Hut lag noch ein paar Windungen und einen Hügel entfernt vom Holzsteg. Schließlich haben wir aber die Hütte eine gute halbe Stunde vor Einbruch der Nacht erreicht. Das Ehepaar empfing uns mit der Nachricht, dass die Wasserleitung eingefroren sei, aber ca. 200m von der Hutte entfernt ein Bach entlang fließe. Während Nora unser restliches Wasser zum Kochen gebracht hat, haben Mikaela und ich unsere drei leeren Camelbaks am Bach aufgefüllt. Das klingt jetzt leichter, als es war. Das speargrass liebt feuchten Untergrund wächst um die Hütte auf jedem Quadratzentimeter. Dazu wird es ziemlich hoch und reichte uns meist bis weit über die Hüften. Als wir den Bach unter dem hohen Gras ausgemacht hatten, sahen wir, dass neben dem Bach ein enthäutetes totes Schwein lag. Fragt mich bitte nicht, wie das Viech da hingekommen ist – aber es war so. Deswegen sind wir noch ein bisschen weiter stromaufwärts gelaufen und haben eine Stelle gesucht, an der das Wasser etwas fließt. Camelbaks in stehenden Gewässern aufzufüllen ist nämlich ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Mit fünf Litern Bachwasser sind wir dann zurück zur Hütte gelaufen. Wie angekündigt, war es in der Hütte brüllwarm. Die Hütte bestand aus einem Raum, was zu Folge hatte, dass der Holzofen alles auf einmal geheizt hat. Die beiden aus Wellington hatten die unteren bunks beansprucht. Deshalb haben wir uns auf den oberen sechs breit gemacht. Zum Glück gab es oben auf beiden Seiten der Hütte je ein kleines Fenster, das sich öffnen ließ. Ansonsten hätten wir die Hitze dort oben wahrscheinlich nicht ausgehalten. Unterm Dach hat sich nämlich die ganze warme Luft angesammelt – Hütten-Sauna!
Zum Abendessen gab es Gemüsetopf mit Couscous und Soße. Danach haben wir die letzten fünf Runden Wizard, die vom Vorabend übrig waren, gespielt und dazu TimTams gegessen. Die Abendhygiene fiel vor allem für Nora etwas überaschend aus, weil sie auf dem Rückweg zur Hütte einem Opossum unfreiwillig direkt in die Augen geschaut hat
. Müde und ziemlich erschlagen vom langen Wandertag sind wir dann aber zügig eingeschlafen.
Am nächsten Morgen war es in der Hütte um einiges kühler, als am Abend zuvor. Das war auch ganz gut so. Nach dem bekannten Tramperfrühstück und der obligatorischen Hüttenreinigung haben wir als letzte die Speargrass Hut verlassen und sind noch vor halb neun in Richtung Mt Robert Carpark aufgebrochen.
Über Nacht hatte es ziemlich stark geregnet, so dass wir uns innerlich schon auf eine große Schlammschlacht vorbereitet hatten. Diese blieb aber zum Glück bis auf ein paar Stellen aus. Auf der Wanderkarte sah der vor uns liegende Abschnitt ziemlich einfach aus. Leider konnten wir das viele Auf-und-Ab auf den 5-6 Kilometern nicht wirklich erkennen und wurden davon etwas überrascht. Nach einiger Zeit hatten wir dann die beiden aus Wellington ein- und überholt. Der Track folgte eigentlich die ganze Zeit dem Speargrass Creek stromabwärts. Teilweise führte er direkt neben dem Bach (bzw. im Bach) entlang. An anderen Stellen mussten dann wiederum Engstellen überwunden werden und der Track führte für einige Meter steil nach oben. Als wir nach vielen Auf-und-Abs ein orangenes Dreieck mit der Angabe „10min“ sahen, hofften wir schon auf den Parkplatz hinter der nächsten Kurve. Dort fanden wir aber erst ein Dreieck auf dem „5min“ stand. Schließlich blitze dann aber doch der weiße Sunny durch die Bäume und wir erreichten gegen Mittag den Mt Robert Carpark.
Dort entledigten wir uns unseren Wanderschuhen und machten uns für die Rückreise fertig. Vor der Abfahrt zurück nach Christchurch mussten wir aber noch den Zettel im DoC Centre in St Arnaud abgeben. Ich habe auch noch ein Hüttenticket nachgekauft, weil ich zu Beginn eines zu wenig erstanden habe.
Für den Rückweg haben wir wieder die gleiche Route über Blenheim genommen. Diesmal konnten wir allerdings sehen, welche tolle Landschaft wir auf dem Hinweg wegen der Dunkelheit verpasst haben. Mit kurzem Stopp in Blenheim ging die Fahrt weiter an der Küste entlang bis nach Kaikoura. Dort haben wir dann eine längere Pause eingelegt und uns etwas zu Essen gekauft. Danach ging es dann ohne Zwischenstopp wieder zurück nach Ilam, Christchurch.
Der Nelson Lakes Trip war vorerst mein letzter NZ overnight tramping trip
. Jetzt ist erst einmal Lernen für meine beiden restlichen Klausuren angesagt. Nachdem ich am 28.06. aus meinem Zimmer hier in Ilam rausgeschmissen werde, fahre ich bis zum Abflug noch mit einem campervan durch die Gegend. Wohin genau ist aber noch offen. Sobald ich mehr weiß bzw. eine Route geplant habe, werde ich es euch wissen lassen.
Doch jetzt genug der Schreiberei – seht euch die Bilder vom Nelson Lakes Trip an!
Jun 14 2010
Letztes Wochenende war ein langes Wochenende hier in NZ, weil am Montag, den 8. Juni der Geburtstag von Queen Elizabeth gefeiert wurde. Nicht, dass ich mitgefeiert hätte
Ich bin lieber mit dem Trampingclub zum letzten Clubtrip in diesem Semester aufgebrochen. Dafür haben wir das komplette lange Wochenende ausgenutzt.
Wir sind am Freitagnachmittag (4.6.2010) um 16.00 Uhr mit vier Autos bis zu einem Campingplatz kurz vor Franz Josef an der Westküste der Südinsel gefahren. Die Autofahrt war in vielerlei Hinsicht ziemlich interessant. Zum einen sah Peters Auto aus, als hätte er gerade den gesamten Innenraum mit Teppichreinigungspulver gepudert. In Wirklichkeit war das weiße, riechende Zeug aber wohl irgendetwas, das man zum Klettern benutzt. Warum das allerdings überall im Auto verteilt war, weiß ich nicht. Pete, der allgemein dafür bekannt ist, viel und über alles ohne Unterlass zu reden, fuhr. Daneben saß Sarah (aus Chch), der es wohl recht war, unterhalten zu werden. Hinten saß mit mir noch Mikaela. Ich habe es ziemlich schnell aufgegeben, meine eher dunkle Trampingkleidung davor zu bewahren komplett weiß werden zu lassen. Dass das nicht so recht gelingen konnte, lag auch an Peters Fahrverhalten in den Kurven
. Interessant war aber auch – wie immer – die Landschaft um uns herum. Leider wurde es schon sehr schnell dunkel, sodass wir nicht wirklich viel von der West Coast sehen konnten.
Wir fuhren über Arthurs Pass nach Hokitika an der Westküste und von dort nach einem kurzen Tankstopp weiter Richtung Süden bis zum besagten Campingplatz. Dort haben wir nach fünfstündiger Autofahrt unsere Zelte aufgeschlagen und Abendessen zubereitet. Meine Koch- und Zeltgruppe bestand neben mir aus Adrian und Mikaela. Zum Abendessen haben wir eine Gemüse-Würstchen-„Pfanne“ mit Soysauce gekocht. Logistisch war das schon eine kleine Herausforderung, weil wir nur einen kleinen Topf hatten und damit alles erst einzeln kochen und dann am Ende noch einmal zusammen aufwärmen mussten. Beim Einkaufen in der Zivilisation rechnet man mit so etwas ja eigentlich nicht. Gegen 22 Uhr haben wir dann unser leckeres und vor allem reichhaltiges Abendessen verzehrt. Nach Abwasch und Abendhygiene ging es dann zügig ins Zelt und in die Schlafsäcke, weil es draußen ziemlich kühl wurde. Es ist ja immerhin schon Ende Mai (=Ende November in europäischem Denken).
Den nächsten Morgen haben wir (etwas zu) langsam angehen lassen. In Franz Josef haben wir im DoC-Centre Tickets für die Welcome Flats Hut für zwei Nächte gekauft und sind danach zum Beginn des Copland Tracks südlich von Fox Glacier gefahren. Bei unserer Ankunft war der Wanderparkplatz bereits mit mehreren Kleinbussen und anderen Autos gefüllt. Das bedeutete, dass, obwohl 32 Schlafplätze verfügbar waren, die Hütte ziemlich voll sein dürfte und zumindest ein paar unserer 15 Leute zelten müssten. Wir haben uns dann entschieden unser Zelt mitzunehmen und es auf unsere drei Rucksäcke aufgeteilt, damit nicht einer das gesamte Gewicht tragen muss.
Nach einem Gruppenfoto sind wir dann gegen Mittag losgelaufen. Nach den ersten 100 Metern kreuzte schon der erste Fluss unseren Weg. Da hieß es möglichst die Schuhe trocken zu halten, denn keiner wollte die nächsten 5-7 Stunden in nassen Stiefeln wandern. Den meisten gelang das auch.
Der Copland Track, der zur Welcome Flats Hut und zu den Hot Pools daneben führt, verläuft eigentlich von Anfang bis Ende entlang des Copland Rivers das Copland River Valley hinauf. Der Fluss ist fast schon unnatürlich blau. Die Farbe kommt vom Schmelzwasser der umliegenden Gletscher, in dem bestimmte Mineralien gelöst sind, die dann das Wasser türkisblau erscheinen lassen. Die meiste Zeit läuft man durch den dichten Regenwald der West Coast. Dort muss man sich fast schon richtig bewusst machen, dass es tiefster Winter ist, weil die gesamte West Coast noch immer in allen Grüntönen erstrahlt.
Leider haben die beiden Tripleader Tobi & Tiffany ein so rapides Tempo vorgegeben, dass wir die Umgebung gar nicht richtig genießen konnte. Wir hätten zwar einerseits langsamer gehen können, aber andererseits ist es auch nicht sinnvoll die Gruppe so weit auseinander driften zu lassen. Wir sind also mehr gerannt als gewandert und haben demnach statt den von den DoClern vorgegebenen 7 Stunden nur 5 Stunden gebraucht. Zwangspausen gab es zum Glück aber immer an den Hängebrücken, die über die größeren Zuflüsse des Copland Rivers führten. Die Hängebrücken dürfen nämlich immer nur von einer Person überquert werden.
Ungefähr eine halbe Stunde vor Einbruch der Dunkelheit sind wir dann an der Welcome Flats Hut angekommen. An der Hütte wurden wir vom Hut Warden (in den populären Hütten sind vorwiegend über die Sommermonate DoCler anwesend, um zu kontrollieren, ob die Tramper auch zahlen) gefragt worden, ob wir auch zur „Camping-Gruppe“ gehörten. Damit war klar, dass die Hütte voll besetzt war und wir über’s Wochenende zelten durften. Wir sind dann an der Hütte vorbei zu den Zeltplätzen weitergelaufen, haben uns ein schönes Plätzchen herausgesucht und unser Zelt aufgebaut. Vom TWALK am Wochenende zuvor wusste ich schon, dass das Zelt nur drei Heringe hat und zwei davon eher Ringe als Heringe waren. Adrian und ich haben dann mit herumliegenden Steinen versucht das Zelt so gut wie möglich zu spannen damit das Innenzelt bei Regen nicht nass wird und das Außenzelt bei Wind nicht wegfliegt. Danach sind wir mit unserer Verpflegung zur Hütte und haben draußen unser Abendessen zubereitet. Diesmal gab es Couscous mit Gemüse und Erdnussbuttersauce. Nach dem Abwasch war es dann aber endlich Zeit für die Hot Pools! Leider haben wir die Pools nicht mehr bei Tageslicht erkunden können, sodass wir nicht wussten, wo genau und wie groß sie sind. Zum Glück war aber alles beschildert und der Weg in Badekleidung durch die kalte Nacht war gerade noch auszuhalten.
Die Hot Pools waren ziemlich flach, sodass man sich richtig reinlegen musste, um der kalten Umgebung zu entkommen. Im Gegensatz zu den Otehake Hot Pools stanken diese überhaupt nicht. Man musste sie auch nicht vorher ausgraben. Wie viele Pools es insgesamt gab, konnten wir am Abend noch nicht sagen, weil es stockdunkel war und die dampfenden Pools zusätzlich die Sicht vernebelt haben.
Gegen Mitternacht bin ich mit den beiden anderen zurück zu unserem Zelt gegangen. Das hört sich jetzt vielleicht ziemlich einfach an, aber die Entscheidung aus den angenehm heißen Pools in die arschkalte Nachtluft zu wechseln fiel schon äußerst schwer
.
Über Nacht hat es dann angefangen stark zu regnen und zu winden. Am nächsten Morgen hat der Regen noch immer nicht aufgehört und wir haben uns keine Gedanken um ein frühes Aufstehen gemacht, weil wir bei solch einem schlechten Wetter sowieso nirgendwohin wandern würden. Am späten Vormittag sind wir dann mit unseren Frühstückssachen in die Welcome Flats Hut gegangen und haben uns mit Müsli und heißer Schokolade gestärkt. Weil es noch immer wie aus Eimern schüttete, blieben wir in der warmen Hütte und haben ein Hearts-Turnier gestartet. Am Nachmittag haben wir uns dann noch einmal zu den Hot Pools aufgemacht, in denen wir dann bis zum Einbruch der Dunkelheit im strömenden Regen gesessen sind. Danach startete wieder das übliche Prozedere, um vom warmen Poolwasser durch die kalte Abendluft in trockene und warme Klamotten zu kommen. Danach haben wir uns in der Hütte Fertignudeln mit Gemüse gekocht. Nach dem Essen saßen wir alle noch an einem der großen Tische zusammen und haben aus einen großen Topf Schokomousse gegessen. Irgendwann vor Mitternacht hat sich unsere Zeltgruppe und andere Gruppen verabschiedet und den Rückweg durch den Regen zu den Zeltplätzen angetreten.
In der zweiten Nacht hörte der Regen zwar schließlich irgendwann mal auf, dafür wurde der Wind aber stärker. Mitunter waren die Böen so stark, dass unser Zelt komplett bis auf unsere Köpfe heruntergedrückt wurde. Diesen Kräften hielt gegen Ende der Nacht auch unsere Steinhering-Konstruktion nicht mehr ganz stand. Zum Glück war dies aber die letzte Nacht und wir konnten am nächsten Morgen das Zelt im Trockenen abbauen.
Zum Frühstück sind wir wieder in die Welcome Flats Hut gegangen. Zügig nach dem Essen haben wir zusammengepackt und haben uns nach einem weiteren Gruppenfoto auf den Rückweg zum Parkplatz gemacht. Der Rückweg auf dem gleichen Track war eigentlich gleich interessant, wie der Hinweg. Der einzige Unterschied war, dass alles Zuflüsse und natürlich auch der Copland River viel mehr Wasser führten und die Farbe des Copland ein trübes Braun-grün angenommen hatte. Wie auch auf dem Hinweg sind wir von Regen verschont geblieben. Gegen Ende ist sogar die Sonne wieder herausgekommen.
Als wir wieder am Parkplatz angekommen sind und in Richtung Chch aufbrechen wollten, kam Pete auf die Idee einen Fisch, den er und zwei der Kinder, die zu einer größeren Gruppe Pfadfindern gehörten und über’s Wochenende in der Welcome Flats Hut übernachtet hatten, gefangen haben, noch am Parkplatz auszunehmen und zu kochen. Weil er ja der Fahrer war, mussten wir also auch noch darauf warten. Den „gekochten“ Fisch hat er dann zusammen mit Sarah im Auto auf der Rückfahrt verzehrt. Neben dem Teppichreinigungspulver hat es dann auch noch nach Fisch gestunken. LECKER!
Nach guten zwei Stunden Fahrt haben wir uns mit den anderen Autos in Hokitika an der West Coast getroffen und einen Fish ’n Chips-Laden besetzt und dort zu Abend gegessen.
Die restlichen 3,5 Stunden zurück nach Christchurch führten uns wieder über Arthurs Pass. Dort fing es dann an kräftig zu schneien und die Schneepflüge standen zum Einsatz an den Rastplätzen bereit. Wir haben das aber ohne Probleme geschafft und sind spät und müde aber sicher in Chch angekommen.
Wegen unseres Lauftempos und dem vielen Regen habe ich leider nicht so viele Bilder von diesem Trip.
Jun 13 2010
TWALK – das Tramping Club-Event des Jahres. TWALK ist die Abkürzung für „twentyfour hour walk“. Dieses Jahr fand TWALK vom 29. bis zum 30. Mai statt. Um teilzunehmen, mussten wir uns in Gruppen zusammentun und uns mit einem Gruppennamen anmelden.
Bevor ich aber von den Erlebnissen unserer Gruppe berichte, erkläre ich zuerst einmal wie ein TWALK abläuft.
Ein TWALK besteht in der Regel aus fünf verschiedenen Routen – den „legs“ – die zwischen 10 und 15 Kilometer lang sind. Der erste leg muss von jedem und damit auch von allen Gruppen bewältigt werden. Die weiteren vier legs müssen nicht unbedingt absolviert werden. Allerdings kann man für nicht absolvierte legs logischerweise auch keine Punkte bekommen. Punkte bekommt man dadurch, in dem man in auf der Karte eingezeichneten Gebieten nach sogenannten „controls“ sucht, auf denen ein Wort geschrieben steht, das man notieren und nach jedem leg im TWALK Office zur Punktevergabe und Zeiterfassung abgeben muss. Jeder leg circa 15 controls. Für jeden control gibt es einen Punkt. Den ersten leg absolvieren alle Gruppen auf einmal. Je nach Lauf- und Suchgeschwindigkeit verteilen sich die Gruppen aber dann relativ schnell auf die Gesamtstrecke.
Der erste leg beginnt in der Mitte von Nirgendwo = an einem unbekannten Ort. Dort werden topographische Karten an alle Teilnehmer ausgehändigt, auf denen die controls markiert sind. Alle Gruppen starten auf ein Kommando. Um die controls zu suchen, muss die gesamte Gruppe zusammenbleiben. Der erste leg endet am sogenannten „Hash House“. Das ist der zentrale Ausgangs- und Endpunkt für alle folgenden vier legs. Im Hash House befindet sich das TWALK Office, eine Küche, in der rund um die Uhr warmes, leckeres Essen für alle Teilnehmer zubereitet wird und Schlafplätze bzw. Platz für Zelte, um sich zwischen den legs auszuruhen. Jede Gruppe, die im Hash House nach einen leg ankommt, muss mindestens 30 Minuten dort verweilen bis sie wieder starten darf. Nach dem ersten leg müssen nicht mehr alle Gruppenmitglieder an den folgenden legs teilnehmen. Der Gruppenführer muss allerdings bei jedem leg dabei sein, den „seine“ Gruppe machen möchte. TWALK endet nach 24 Stunden. Jede Gruppe ist für die Zeiteinteilung und -beachtung selbst verantwortlich. Pro fünf Minuten, die ein Team nach Ablauf der 24h zu spät im TWALK Office ankommt, verliert es einen Punkt. Falls ein Team später als eine halbe Stunde nach Ablauf der Zeit eintrifft, wird es disqualifiziert. Danach werden die Sieger ermittelt. Dabei gibt es einen Gesamtsieger, einen Sieger von allen Studenten (es nehmen auch Profi-Teams teil) und einen Sieger für das beste Kostüm. Für den ersten leg muss sich jede Gruppe nämlich zu einem selbst gewählten Thema verkleiden und den leg in der Verkleidung absolvieren.
Nachdem die Regeln nun bekannt sind, beginne ich mit den Erlebnissen unserer Gruppe. Für unser Gruppenthema haben wir uns zuerst für „Wo ist Walter?“ entschieden und wollten uns alles so wie Walter verkleiden. Als unser Team aber schließlich immer größer und größer wurde – wir waren mit insgesamt 13 Leuten das größte Team – haben wir uns aufgrund der letztendlichen Gruppengröße für Jesus und die 12 Jünger entschieden. Wir haben uns aus Bettlaken lange Gewänder gemacht und unser Teamleader Chris hat noch einen langen, gekrümmten Stab mitgenommen. Insgesamt sahen wir dann wirklich aus wie eine größere Gruppe Pilger oder eben wie Jesus und die 12 auf Wanderschaft.
Am Samstagmorgen um 8 Uhr trafen sich alle Gruppen am UCSA-Parkplatz und unsere Anwesenheit wurde abgehakt. Danach haben wir uns auf verschiedene Busse (die ich diesmal auch wirklich als „Busse“ bezeichnen würde) aufgeteilt und sind losgefahren. Nach gut 2,5 Stunden Fahrt in westlicher Richtung haben die Busse am Wanderparkplatz von Cave Stream im Arthurs Pass Gebiet angehalten. Damit war bekannt, wo TWALK 2010 stattfinden würde. Nachdem wir unsere Karten bekommen haben, sahen wir, dass uns der erste leg von Cave Stream mitten durch die Pampa bis zur Flock Hill Lodge, einer Farm mit Bed&Breakfast führen würde. Die Flock Hill Lodge war somit das Hash House, vom dem die weiteren Trips rund um Flock Hill und Lake Pearson führen sollten.

TWALK Leg 1 | Cave Stream - Flock Hill Lodge
Nach dem Startsignal um 11.00 Uhr strömten die verkleideten Trampern die Hänge zu Cave Stream hinunter, um nach dem ersten control zu suchen. Der war relativ einfach unter einem Stein versteckt. Der zweite befand sich nicht weit entfernt ein kleines Stück in der Höhle von Cave Stream. So ging es dann weiter von control zu control. Manche waren aber ziemlich schwer zu finden oder man dachte, man sei im Zielgebiet angekommen, aber in Wirklichkeit befand sich der control nicht um einen herum im flachen Gelände, sondern auf einem Geröllhaufen 50 Meter weiter oben. Weil eine der Regeln von TWALK ist, dass die Gruppe immer zusammenbleiben muss, mussten wir bei manchen controls entscheiden, ob wir sie auslassen. Für uns war von Anfang an klar, dass wir nicht mitmachen um zu gewinnen, sondern einfach nur um Spaß zu haben. Bei 13 Leuten im Team ist das auch unmöglich, weil wir alle unterschiedlich fit und tramping-erfahren waren.
Meine bisherige Trampingerfahrung habe ich beim ersten leg wohl aber Gepäck zurückgelassen, das von den Bussen zum Hash House gebracht wurde. Ich dachte nämlich, dass wir den ersten leg 100%ig noch bei Tageslicht beenden werden und habe deswegen meine Stirnlampe im großen Rucksack gelassen. Tja, falsch gedacht
. Die letzten paar Kilometer habe ich dann im Dunkeln zurücklegen müssen. An kritischen Stellen haben dann die Leute vor und hinter mir ausgeholfen. Zum Glück lag auch auf dem Waldboden Schnee, sodass man wenigsten den Verlauf den Tracks erkennen konnte. Dort, wo der Track verlief war der Schnee nämlich nicht mehr vorhanden. Solange ich im pechschwarzen Bereich unterwegs war, war ich auf dem richtigen Weg. Allerdings konnte ich weder Unebenheiten noch Matschlöcher frühzeitig erkennen
.
Gegen 20 Uhr sind wir dann endlich im Hash House angekommen und haben unsere 16 gefundenen controls (von 18) eingereicht. Danach sind wir zu unserem Gepäck gelaufen, das in einem leeren Schafstall (Woolshed) untergebracht war. Viele andere hatten sich schon weitläufig ausgebreitet und sich Schlafplätze im Stall gesucht. Der Geruch war allerdings so intensiv, dass es für mich nach den ersten Metern im Stall klar war, dass ich – egal wann ich vom nächsten leg wieder hier ankomme – im Zelt schlafen werde. Nachdem wir unsere Gewänder abgelegt und wärmere Sachen angezogen haben, sind wir in die Küche zum Abendessen gegangen. Dort haben wir einen kleinen Nebenraum besetzt und auf dem Boden die Köstlichkeiten verzehrt. Im TWALK Office haben wir uns noch am Bollerofen aufgewärmt und ausgemacht, dass wir um 22 Uhr für unseren nächsten leg treffen. Unsere Gruppe schrumpfte dann auf Chris + 7. Die anderen waren zu müde und erschöpft vom ersten leg. Wir haben uns dann zusammen und auf Anraten der Organisatoren dazu entschieden, den zweiten leg auszulassen (zu schwierig wegen der Schneeverhältnisse) und gleich zum dritten überzugehen. Der führte einmal rund um Lake Pearson.

TWALK Leg 3 | Lake Pearson
Ausgestattet mit Stirnlampen und Ersatzbatterien und in normaler Trampingkleidung sind wir zum Westufer des Sees losgezogen. In der Hoffnung eine besonders schlaue Abkürzung zu finden, haben wir den direktesten Weg genommen, der den Hügel am Ufer hinaufführt. Dort erwartete uns allerdings bush bashing³, das uns eine satte Stunde kostete. Danach ging es bei Vollmond und ohne künstliches Licht auf einem Feldweg ziemlich zügig weiter zum Nordende des Sees. Unterwegs wollte Chris die Langbelichtungsfunktion meiner Kamera ausprobieren. So sind dann auch die weiteren Nachtfotos vom See entstanden.
Am Nordufer haben wir zwei controls ausgelassen, weil sie zu weit von unserer Laufroute lagen. Dafür haben wir aber alle anderen am Nordufer gefunden. Auf dem Rückweg am Ostufer haben wir entschieden, dass der schnellste Weg wohl der sei, der direkt am Seeufer verläuft. Weitestgehend hat das auch gestimmt, weil der steinige Uferstreifen meist ziemlich breit war. Zur Mitte des Sees wurde er allerdings immer schmaler, sodass wir mehr oder weniger die zweite Hälfte des Wegs am Ostufer im See gelaufen sind. Unterwegs haben wir auch noch einen control gefunden. Für den vorletzten lautete der Hinweis „Just for you Dave!“. Dave ist einer der Captains vom Trampingclub und dafür bekannt ziemlich verrückte Dinge zu tun. Deswegen haben wir vermutet, dass sich dieser control oberhalb eines Geröllhangs befindet. Chris und ich haben unsere letzten Reserven herausgeholt und sind das Geröll hochgeklettert und leider nichts gefunden. Wie wir später erfahren haben, ist Dave beim letzten TWALK wohl ins Wasser gefallen. Der control war am Ende eines Weidezauns, der gute drei Meter in den See reichte. Den letzten control haben wir ausgelassen und sind stattdessen zurück zum Hash House gewandert.
Dort gab’s dann noch eine kleine 5-Uhr-Morgens-Stärkung. Danach sind wir zum Woolshed zurück und haben uns für unsere diversen Schlafplätze entschieden. Bis auf Nora, Mikaela und mich wollten alle im Schafstall schlafen. Die beiden Mädels haben dann ein Zweierzelt aufgebaut und ich habe mich mit dem 3-er Zelt vertraut gemacht. Die beiden anderen waren natürlich etwas schneller fertig und fragten mich dann ob ich Hilfe brauchte. Ich bejahte und sagte, dass es nett wäre, wenn sie helfen könnten. Komischerweise, sind sie aber nicht zum Helfen gekommen, sondern im Zelt verschwunden und schlafen gegangen.
Am nächsten Morgen klärte sich das ganze aber auf: sie hatten nämlich das genau Gegenteil verstanden (dass ich keine Hilfe brauchte). Das Ereignis wurde zum „running gag“ bei jedem nachfolgenden Overnight-Trip
.
Wir haben es bei unseren zwei absolvierten legs belassen. Andere Gruppen haben (wie auch immer) alle fünf legs innerhalb der vorgegebenen Zeit erfolgreich beendet. Um halb 12 am Sonntagmorgen wurden dann bei strahlendem Sonnenschein die Sieger geehrt. Danach mussten wir noch zwei Stunden auf die Busse aus Christchurch warten.
Nach 15 Stunden Tramping, 3 Stunden Essen und Ausruhen und 6 Stunden Schlafen ging der diesjährige TWALK für uns zu Ende. Besonders der nächtliche leg hat uns alle ziemlich beeindruckt und wir sind zum Schluss gekommen, dass man sowas öfters machen könnte – aber natürlich nur beim entsprechenden Mondstand.
Wie üblich zum Schluss gibt’s jetzt die Bilder.
Hier gibt’s die offiziellen Ergebnisse von TWALK 2010. Unser Team “Waldo” landete auf Platz 38 von 46!

Jun 12 2010
Hier kommt das Wordle für den Monat Mai etwas verspätet und auch nicht mit allen Einträgen vom Mai, weil ich einfach mit dem Schreiben nicht hinterherkomme.

Hier geht’s zur Wordle-Bildergalerie.