Am vergangenen Sonntag sind 21 Tramper um 07:15 Uhr vom UCSA-Parkplatz in Richtung Kaikoura Seaward Range gestartet. Die Bergkette liegt – wie der Name vermuten lässt – in der Nähe von Kaikoura und nahe dem Meer. Den Berg, den wir besteigen wollten, heißt Mt Tinline und befindet sich zwischen Kaikoura und Hamner Springs.
Mit dem Auto konnten wir bis zu einem Wanderparkplatz oberhalb von Mt Lyford Village fahren. Von dort an war die Schotterstraße für den Verkehr gesperrt – aus gutem Grund, wie sich später herausstellen sollte. Gegen halb elf sind wir losgelaufen, nachdem uns ein Einheimischer den besten Weg beschrieben hat.
Voller Wanderlust (dabei fällt mir ein Lied von R.E.M. ein, das genauso heißt) haben wir die Abzweigung verpasst und sind nach zehn Minuten am Ende des Rundwegs – in den Bilder als „A-Loop“ beschrieben – wieder am Parkplatz herausgekommen, wo der Kiwi, der uns den Weg erklärt hat, lachend stand
Beim zweiten Versuch haben wir die beschilderte(!) Abzweigung nicht übersehen und sich dem Crystal Lake Track bergauf gefolgt. Der Track führte nach guten zehn Minuten zu einem kleinen See, dem Crystal Lake. Ich glaube, dass der Name des Sees auf Ironie oder Wunschdenken beruht, denn der Tümpel hatte eher einen bräunlichen Grünton, als irgendetwas Kristallenes.
Danach ging es weiter bergauf und der Crystal Lake Track mündete in die gesperrte Schotterstraße, die im Winter geöffnet wird und zum Skigebiet „Mt Lyford“ führt. Die Straße windet sich in zu Beginn noch großzügig breiten Serpentinen den Berg hoch. Doch nach einiger Zeit wird sie sehr schmal und der Schotter immer gröber. Zur Talseite sucht man Befestigungen geschweige denn Leitplanken vergeblich und die Steigung ist auch nicht ohne. Das ist sicherlich ein großer Spaß dort im Winter bei Schnee und Eis hochzufahren – vor allem, wenn dann auch noch Gegenverkehr kommt… Damit keiner auf dumme Gedanken kommt und versucht mit seinem Auto im Sommer hochfährt, ist die Straße geschlossen.
Zu Fuß ist das alles natürlich kein Problem und dort unten waren wir auch noch weit entfernt von Schnee und Eis. Das änderte sich aber als wir die Passhöhe erreicht haben. Dort war die Straße nämlich im Schatten der Südhänge (ja, wir sind in der südlichen Hemisphäre!) gefroren und die Hänge selbst waren mit Schnee bezuckert. Weiter oben lag aber auch schon etwas mehr Schnee.
Das Wetter war am Sonntag aber wirklich sehr schön. Die Sonne schien vom wolkenlosen blauen Himmel. Die einerseits warme Sonne mit Blick aufs blaue Meer und andererseits die gefrorene Straße und der Schnee ergaben schon eine beeindruckende Szenerie.
Als sich uns diese Aussicht bot, war es vorbei mit dem einfachen Teil des Tages.
Mt Tinline Bush Bash-Route
Jetzt war nämlich „Bush-bashing“ angesagt! Das bedeutet sich in neuseeländischen Buschwerk irgendwie einen Weg zum gewünschten Ziel schlagen. Unser Ziel war zum Glück leicht einzusehen, weil es immerhin gute 700 Höhenmeter über uns lag. Das bush-bashing ist eigentlich nicht weiter schlimm, wenn da nicht diese „spaniards“ wären (siehe rote Kreise).
Spaniards
Das sind Pflanzen, die in Büscheln am Boden wachsen und deren Blätterspitzen richtig fies stechen. Teilweise wuchsen sie in großen Kolonien dicht beieinander, sodass man nicht hindurch konnte und sich einen anderen (Um-)Weg suchen musste. Damit dies nicht zu oft vorkam und wir dem Busch nicht allzu viel Schaden anrichteten haben wir uns in einer langen Kette hintereinander durch das Dickicht gekämpft. Am Ende der Schotterpiste hatten wir ausgemacht, dass wir alle bis zu einem gewissen Punkt im Busch gehen und dann kann jeder, der noch weiter Lust hat, den Mt Tinline besteigen. Dort wo im obigen Bild der blaue Punkt ist haben wir eine längere Rast gemacht und beschlossen, dass jeder der den Berg besteigt um 14.30 Uhr umkehren muss, egal wo er/sie gerade ist. Das sollte verhindern, dass wir im Dunkeln zurücklaufen müssen, weil es ab halb sechs schnell dunkel wird.
Die fittesten sind ohne Pause gleich in Richtung Gipfel weiter gegangen. Ich habe aber noch eine Pause gemacht und meine Brotzeit gegessen – wozu schleppe ich die denn sonst mit Danach bin ich mit noch drei anderen in Richtung Mt Tinline weiter bergauf gewandert. Der Busch wurde etwas niedriger und mündete dann in tussock und scree. Ab dort wurde es dann auch ziemlich steil und für jeden Schritt, den man vorwärts machte, rutschte man einen halben wieder zurück. Wir sind nahe an der Kante zum Südhang gelaufen. Dort lag im Schatten nämlich noch Schnee, der schön gekühlt hat. Die Schneebälle waren aber nicht so der Hit. Unsere kleine Gruppe teilte sich recht schnell zu Beginn bis ich am Schluss nur noch mit dem Ben weiter aufgestiegen bin. Wo die grüne durchgezogene Linie endet, habe ich mich dann für die Aussicht entschieden und Ben ist noch weiter nach oben gekraxelt.
Nach dem obligatorischen Panoramabild war es auch schon halb drei und wir haben uns wieder auf den Rückweg gemacht. Kurz vorher habe ich die Gipfelgruppe ankommen sehen. Deren Tempo wäre mir aber eindeutig zu schnell gewesen.
Der Rückweg ging wieder durch die gesamte Buschlandschaft. Dass bush-bashing anstrengend ist, haben wir – glaube ich – alle relativ schnell festgestellt. Aber alle sind rechtzeitig wieder am Treffpunkt an der Schotterstraße angekommen.
Von dort aus mussten wir wieder den langen Abstieg über die Schotterpiste antreten. Weil der Part technisch anspruchslos war, haben wir uns aber gut unterhalten können. So verging dieser Teil auch relativ schnell vorbei und bei fortgeschrittener Dämmerung haben wir wieder den Wanderparkplatz erreicht.
Nach einer gut zweieinhalbstündigen Autofahrt zurück nach Christchurch ging ein sonniger Wandertag mit toller Aussicht und ein bisschen NZ-Schnee zu Ende.
Die Wordles wachsen und wachsen. Am Inhalt kann man schön erkennen, was die Hauptthemen meines Neuseeland-Blogs sind bzw. über was ich am liebsten und häufigsten schreibe.
Am nächsten Morgen gab es das restliche Toastbrot mit Erdnussbutter uns Marmelade zum Frühstück. Danach haben wir unsere Zimmerschlüssel abgegeben und uns noch die beste Route nach Wanaka beschreiben lassen. Um 8.30 Uhr sind wir dann mit David als Fahrer nach einem kleinen Q’town-DriveThru (hat nix mit Essen zu tun) über Arrowtown nach Wanaka gefahren. Der Weg dorthin führt über den höchsten Pass Neuseelands mit einer befestigten Straße. Die Höhe ist allerdings für europäische Verhältnisse lachhaft: die höchste Stelle liegt auf 1.120m üNN. Der Blick war an diesem sonnigen Tag dennoch wunderschön.
Nach einer guten Stunde Fahrt sind wir in Wanaka angekommen, wo ich noch Geld holen musste. Danach sind wir zum Flughafen von Wanaka weitergefahren. Dort kamen wir pünktlich um 11 Uhr an und David und ich wurden gleich zur Sicherheitsunterweisung gebeten. Dann mussten wir noch unterschreiben, dass wir die Skydive-Firma nicht auf irgendwelche Schadensansprüche verklagen, falls beim Sprung etwas passieren sollte. Auch mussten wir abzeichnen, dass für menschliches und technisches Versagen keine Haftung übernommen wird und dass man sich darüber im Klaren ist, dass man dabei sterben kann (wenn der Fallschirm nicht aufgehen sollte). So weit so gut. Danach mussten wir die Sprunghöhe auswählen. Wir haben uns beide für die NZD 100 günstigeren 12.000 Fuß (3.650m) entschieden. Damit hat man 45 Sekunden freien Fall. Für NZD 130 (Kamera am Handgelenk) bzw. NZD 190 (zweiter Kameraspringer) hätte sich man beim Sprung auch noch filmen lassen können. Das habe ich nicht gemacht. Der David hat sich für die NZD 130 teure DVD enschieden.
Zwischen der Unterweisung und unserem Sprung vergingen noch gute zwei Stunden, weil vor uns noch eine Menge anderer Leute gesprungen sind und das kleine Flugzeug nur ca. 8 Leute auf einmal aufnehmen konnte.
Während der Wartezeit habe ich mir ein Skydive-T-Shirt gekauft und das für den Sprung angezogen. Das Wetter war sehr gut an diesem Tag. Die Sonne schien warm vom Himmel und es war windstill. Die Wolken am Himmel waren eher schön anzusehen, als dass sie hinderlich gewesen wären.
Be brave – if you’re not, pretend to be!
Um halb 2 hieß es dann endlich für uns beide (und ein paar andere) Anzüge und Gurtzeug anzuziehen. Dann habe ich Eric kennengelernt, der mit mir zusammen den Tandemsprung gemacht hat. Wir sind zusammen zum Flugzeug gelaufen und er hat mir noch einmal die Sicherheitsregeln erklärt. Im Flugzeug war es richtig eng. Ich bin als letzter eingestiegen. Das hieß also auch, dass ich als erster wieder raus muss. Während dem Flug hat mir Eric seinen Höhenmesser erklärt und in Abständen gezeigt, wo wir gerade sind. Dazu hat er mir noch die Umgebung gezeigt. Das fand ich auf jeden Fall angenehmer und interessanter als die ganze Zeit gefilmt zu werden – wie in Davids Fall.
Ich war die gesamte Zeit eigentlich vollkommen ruhig und überhaupt nicht angespannt. Als ich dann aber mit Eric raus musste, war ich schon aufgeregter. Eric hat mich am Rücken mit dem Gurtzeug mit seinem fest verbunden. Das führte dann unmittelbar vor dem Sprung dazu, dass er noch halb im Flugzeug saß, während ich schon 3.650m über der Erde hing Das war der einzige Moment, in dem ich gedacht habe „Was machst du hier eigentlich?!?!“
Und dann nur noch freier Fall…
Die ersten 3-5 Sekunden sind eigentlich das Verrückteste am ganzen Sprung. Da merkt man nämlich noch, dass man wirklich fällt. Danach gleitet man mehr oder weniger auf dem Luftwiderstand. Es ist ziemlich schwer das zu beschreiben. Wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke, dann kann ich mich nicht mehr wirklich an die Landschaft erinnern. Das war wohl zu viel auf einmal.
Wir sind zuerst kopfüber und dann mit ausgebreiteten Armen die restlichen 35 Sekunden gefallen. Auf 5.000 Fuß Höhe hat der Eric den pinken Fallschirm geöffnet. Auf dem Fallschirmflug hinunter zum Flugfeld gab’s dann noch ein bisschen Sightseeing. Die Landung war sehr sanft und ohne Auslauf. Wieder am Boden habe ich mich dann noch kurz mit dem Eric über unsere Geschwindigkeit und Skydiving-Rekorde unterhalten. Unsere Maximalgeschwindigkeit betrug sagenhafte 224km/h! Mit dem Fallschirmteil kamen wir im Durchschnitt auf 201km/h. Wieder bei den anderen angekommen, habe ich von Ryan erfahren – er hatte meine Kamera, um zu versuchen mich beim Springen vor die Linse zu bekommen – dass er ein paar richtig gute Fotos hat machen können.
Jeder der einmal die Chance hat so einen Sprung zu machen, dem kann ich es nur wärmstens empfehlen (Wenn es nicht so teuer wäre, hätte ich es wahrscheinlich gleich noch einmal gemacht). Das Gefühl sollte man einfach mal erlebt haben. Und man ist wohl nie zu alt dafür: der bisher älteste Springer in Wanaka war 89 Jahre alt!
Danach hatten wir alle ziemlichen Hunger und sind deswegen wieder nach Wanaka zurückgefahren und haben in einem Burger-Restaurant gegessen. Zwar mussten wir ziemlich lange auf unser Essen warten, aber das hat sich definitiv gelohnt. Die Burger waren riesig und mit frischen Zutaten gemacht – also alles andere als Fastfood.
Gesättigt haben wir dann die Rückreise nach Christchurch angetreten.
An irgendeinem Parkplatz vor Lindis Pass hat der David dann angehalten und gesagt, dass er zu müde sei, um weiterzufahren. Weil die anderen mehr oder weniger geschlafen haben und aus den bereits bekannten weiteren Gründen, bin ich weitergefahren.
Kurz vor Lake Tekapo haben wir uns entschieden noch einen kleinen Abstecher zu einem See namens Lake Alexandrina zu machen, den Dan und Ryan auf der Straßenkarte ausgemacht hatten. Die Straße dorthin war ziemlich eng und kurvig aber nach gut zehn Kilometern haben wir den See schließlich erreicht. Die untergehende Sonne hat zusammen mit den Wolken schöne Farbkombinationen am Himmel ergeben.
In Lake Tekapo mussten wir dann noch das letzte Mal volltanken. Dann ging es in abendlicher Dunkelheit non-stop zurück nach Chch. Mit dem David habe ich ausgemacht, dass ich bis in den zentrumnahesten Vorort von Christchurch fahre und er dann übernimmt. In Rolleston haben wir dann Fahrertausch gemacht und David hat uns bis nach Ilam Village gefahren.
Damit ist ein in vielfacher Sicht aufregender Roadtrip zu Ende gegangen: 3 Tage in denen wir über 1.500 km zurückgelegt haben und jeder seine ersten Erfahrungen entweder mit langen Autofahrten oder dem Fahren auf der linken Straßenseite gemacht hat. Die Hauptsache ist aber, dass wir alles sicher und unbeschadet wieder am Ausgangspunkt angekommen sind und dass wir viele schöne Dinge erlebt und Eindrücke gesammelt haben.
Am nächsten Morgen sind wir nach dem Frühstück im Hostel gegen halb neun mit dem Auto nach Milford Sound aufgebrochen. Dort hatten wir schon von Chch aus eine Schiffsrundfahrt gebucht. Leider hatten wir auf dem Weg nach Milford keine Zeit auszusteigen und Bilder zu machen, weil die Zeit sonst zu knapp gewesen wäre, um das Schiff noch zu bekommen.
Auf der Fahrt haben wir uns schon gefreut, dass der morgendliche Nebel nur über dem Lake Te Anau hängt. Ringsherum schien nämlich schön die Sonne und es waren kaum Wolken am Himmel. Beste Voraussetzungen also für eine Milford-Tour…
Auf der Strecke gibt es zwar nur wenige One-Lane-Bridges, dafür aber einen langen One-Lane-Tunnel mit Gefälle! Die dort angebrachten Ampeln haben eine abwechselnde Grünphase von jeweils 15 Minuten. Auf dem Hinweg mussten wir nur ganz kurz warten, bis wir weiterfahren konnten. Auf der anderen Seite des Berges war vom blauen Himmel nichts mehr zu sehen. Die Nebel- und Wolkensuppe war noch dicker als in Te Anau. Als wir dann im Tal in Milford angekommen sind, war die Sicht wieder klar, aber die Wolken haben die Seiten des Fjords und die Berggipfel bedeckt.
Um 11.15 Uhr hat die Schiffsrundfahrt begonnen. Das erste Highlight im 16km langen Milford Sound sind die 160m hohen Bowen Falls. Sie stürzen gleich neben dem Hafen in den Fjord. Der Wasserfall gehört zu den beiden nie versiegenden Wasserfällen im Milford Sound. Er wird vom Schmelz- und Regenwasser der dahinterliegenden Darran-Bergkette gespeist. Die Bowen Falls sind sehr wichtig für das Dorf Milford. Einerseits versorgt er die Bewohner und Touristen mit Trinkwasser und zum anderen wird das Wasser zur Stromerzeugung genutzt. Die Tour führte zuerst an der in Richtung Tasman Sea blickenden linken Talseite entlang. Wenn es klar gewesen wäre, hatte man dann auch sehr schön das Trogtal Sinbad Gully und Mitre Peak sehen können. Dafür hat man schon aus der Ferne die auf der anderen Seite des Sounds herabstürzenden 146m hohen Stirling Falls sehen können. Dazu aber später mehr.
Interessant am Milford Sound ist, dass die ersten drei Meter unter der Wasseroberfläche reines Süßwasser sind und erst darunter das Salzwasser beginnt. Das liegt daran, dass der Sound durch die unzähligen Wasserfälle mit so viel Regen- und Schmelzwasser versorgt wird.
Die nächste Attraktion gab es dann am Copper Point – benannt nach dem kupferhaltigen Gestein. Dort tummelten sich mehrere Neuseeländische Pelzrobben und auf dem Kupferfelsen lag ein kleiner Heuler. Am Copper Point ist der Milford Sound mit 620m Breite am engsten.
Kurz nachdem das Schiff Dale Point, das nördliche Ende des Fjords, passiert hatte, hat der Kapitän auch wieder umgedreht, um auf der anderen Seite wieder zurück nach Mildford zu schippern. Die teureren Touren fahren wohl noch ein bisschen weiter hinaus. Von dort aus kann man dann auch gut sehen, dass der Milford Sound vom küstennahen Meer kaum auszumachen ist. Dale Point ragt nämlich so weit in die Tasman Sea, dass der Eingang zum Sound fast vollständig verdeckt wird. Deshalb sind seinerzeit Captain Cook und viele andere am Milford Sound vorbeigesegelt.
Während Mt Pembroke, der höchste Berg rund um den Fjord, vollständig von den Wolken bedeckt war, konnte man die Stirling Falls sehr gut sehen. Sie stürzen sich aus einem „perfekten“ Trogtal direkt in den Sound. Das Schiff ist mit dem Bug voran bis wenige Meter an den Wasserfall herangefahren. Als man dann hinaufgesehen hat, konnte man die Wassermassen auf einen zufallen sehen. Das war schon ziemlich beeindruckend. Ich habe auch versucht das auf Video festzuhalten.
Nach dem Wasserfall steigen die Felswände des Mt Kimberly fast senkrecht von der Wasseroberfläche auf. Wegen seiner Form wird der Berg auch oft als Lion Mountain bezeichnet. Er scheint wie ein kauernder Löwe am Rande des Fjords zu sitzen.
Am Underwater Observatory hat unser Boot zwei Touris abgesetzt, die das auch noch gebucht hatten. Das Beobachtungszentrum liegt in Harrison’s Cove, dem einzigen natürlich geschützten Hafen. Dort lichteten sich dann auch kurzzeitig die Wolken und einzelne Berggipfel wurden teilweise sichtbar. Kurz vor den Bowen Falls passiert man die Cascade Range. Während starker Regengüsse ist diese Bergkette plötzlich voller Wasserfälle.
Kurz vor dem Hafen und damit dem Ende der Bootsrundfahrt sind wir noch einmal an den Bowen Falls vorbeigeschippert.
Hier noch ein paar interessante Fakten zum Milford Sound, die ich im Bericht nicht unterbringen konnte:
Fläche: 1.200 Hektar
Durchschnittliche Tiefe: 330m
Maximale Breite: 2km
Öffnung zum Meer: 550m breit
Jährlicher Niederschlag: 6.526mm (!)
Und das an durchschnittlich 180 Tagen im Jahr
Weil Milford selbst eigentlich nur aus zwei Häusern – einem Hotel und dem Besucherzentrum am Hafen – besteht und der Parkplatz wenig einladend zum Mittagessen aussah, sind wir mit dem Auto zum ersten Parkplatz auf dem Rückweg gefahren. Die Straße nach Milford Sound ist eine Sackgasse. Obwohl Queenstown nur ein paar Kilometer hinter einer Bergkette liegt, muss man, um mit dem Auto dorthin zu kommen immer in einem großen Bogen über Te Anau und dann nach Norden fahren. Wenn man nicht auf ein Auto angewiesen ist, kann man die vierstündige Autofahrt in 15 Flugminuten vom Milford Airport zum Queenstown Airport zurücklegen.
Am Parkplatz „The Chasm“ haben wir dann zuerst mit Toast und Tunfisch gevespert. Während wir aßen sind zwei Keas um unser Auto herumgehopst, in der Hoffnung etwas abzubekommen. Als wir fertig waren ist einer der beiden Papageien, sogar noch auf den Kofferraumdeckel geflogen, um die letzten Krümel aufzupicken.
Als „The Chasm“ wird das kunstvolle Gebilde bezeichnet, das der Cleddau River im Laufe der Zeit in den Stein geformt hat. Die Stromschnellen winden sich durch enge Löcher in den Steinen und stürzen sich in einem tosenden Wasserfall über mehrere Stufen. The Chasm bettet sich in tiefgrünen und feuchten Farn-Urwald.
Nach diesem interessanten Stopp sind wir weitergefahren, um eine kleine Wanderung zu machen. Man kann ja nicht immer nur im Auto hocken. Obwohl die Wolken noch immer sehr tief hingen, sind wir von der Lower Hollyford Road zum Lake Marian gewandert. Der Track führt zuerst über eine Hängebrücke und windet sich dann hinauf zu einem reißenden Gebirgsbach.
Alle, die nur den Bach sehen wollen, sind in 20 Minuten wieder am Parkplatz. Wir sind aber auf dem steiler werdenden Pfad weiter gegangen. Nach gut einer Stunde haben wir eine kleine Rast gemacht und hatten schon fast beschlossen umzudrehen, weil wir nicht in der Dunkelheit hinabsteigen wollten. Entgegenkommende Wanderer meinten aber, dass es nur noch 15 Minuten seinen und sich der Blick trotz Wolken lohen würde. Nach weiteren zehn Minuten waren wir dann am Lake Marian. Zwar hat man die umliegenden Gipfel nicht einmal ausmachen könne, aber die tiefen Wolkenschleier über dem See hatten ihren ganz eigenen Reiz und tauchten den See in eine märchenhafte Szenerie. Am Ufer trafen wir auf eine Gruppe Jugendlicher aus Frankreich und Deutschland. Die Gelegenheit haben wir beide genutzt und gegenseitig Gruppenfotos machen lassen
Weil die Dunkelheit langsam aber sicher hereinbrach, sind wir bald wieder in Richtung Auto gegangen.
Dort fühlte sich David nicht mehr ganz so fit zum Autofahren und ich habe – angesichts der Alternativen – angeboten den nächsten Abschnitt zu fahren. Auch wenn es das erst mal für mich war, auf der „falschen“ Seite der Straße zu fahren, war es mir lieber in der Dunkelheit selbst zu fahren, als mich von den anderen, die schon am helllichten Tag unsicher waren, fahren zu lassen. Und längere Fahrten in der Dunkelheit bin ich ja sowieso gewohnt.
Ich bin dann die gesamte Strecke bis zu unserem Hostel für die Nacht nach Queenstown gefahren. Dort sind wir gegen 21.00 Uhr angekommen. Die Fahrt auf der anderen Seite war eigentlich gar nicht so schwierig – größtenteils wohl deswegen, weil das Auto eine Automatik hatte. Es ist eben alles verkehrtherum. Aber solange man nicht im Stadtverkehr unterwegs ist und auf die schwachsinnigste Abbiegeregel der Weltachten muss, ist alles im grünen Bereich. Auf den Überlandfahrten muss man nur die Spur halten und nach dem Abbiegen auf eine andere Straße daran denken, dass man als Fahrer immer am nächsten am Mittelstreifen sitzt. Lustig war, als ich das erste Mal den Blinker setzen wollte. Anstatt orangenen Leuchten gingen nämlich die Scheibenwischer los… es ist eben wirklich alles verkehrt herum.
Im Hostel in Queenstown haben wir unsere Zimmer bezogen. Diesmal war kein 4er-Zimmer mehr für uns alle frei und wir mussten uns jeweils zu zweit noch mit zwei Fremden ein Zimmer teilen. Bei mir und dem David war noch ein asiatisches Pärchen im Zimmer. Die waren sehr freundlich und hilfsbereit. Als ich gesehen habe, dass sie die gleiche Kamera haben, fragte ich, ob ich mir ihr Ladegerät für die Nacht leihen konnte, weil mein NZ-Steckdosenadapter nur sporadisch funktioniert. Das war gar kein Problem.
Danach haben wir in der „fancy“ ausgestatteten Küche des Hostels Fettucine (dicke Spaghetti) mit Tomatensoße gekocht. Dan meinte dann noch seine Sardinen zu verwerten und schüttete die beiden Dosen mit in die Tomatensoße. Der Geschmack war „einmalig“. Ich hoffe es bleibt dabei – manche Dinge passen einfach nicht zusammen. Dazu gab es aber noch ein kühles Bierchen, das den Fisch wieder verdrängte.
Während dem Essen haben wir uns mit den Leuten, die uns gegenüber unterhalten: Wir hatten vorher schon die diversen Broschüren und Flyer diverser Attraktionen studiert und damit geliebäugelt irgendwas Verrücktes zu machen. Denn Queenstown ist ja bekanntlich DIE Abenteuer-Metropole Neuseelands schlechthin. Ich hatte zuerst an eine Fahrt mit einem Jetboot durch eine enge Schlucht gedacht. Schließlich sind wir mit den Engländern an unserem Tisch auf Skydiving gekommen. Zwei von ihnen hatten das schon einmal gemacht und haben uns das wärmstens empfohlen. Ryan aus unserer Gruppe ist am Anfang der Ferien in Nelson aus einem Flugzeug gesprungen. Schließlich haben David und ich beschlossen, das am nächsten Tag in Wanaka zu machen – in Q’town waren nämlich keine Plätze mehr frei. David hat unsere Sprünge noch online vorreserviert. Danach sind wir dann ins Bett gegangen.